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Asyl-Angst in Nickelsdorf – "sie reißen an allen Türen"

Im Burgenland wurden heuer bereits 75.000 Migranten registriert. Besonders betroffen ist Nickelsdorf – in der Bevölkerung geht Sorge und Angst um. 

Rene Findenig
Nickelsdorf ist gespalten  laut Lokalaugenschein hersscht viel Mitleid mit den Flüchtlingen, aber auch die Angst geht um.
Nickelsdorf ist gespalten laut Lokalaugenschein hersscht viel Mitleid mit den Flüchtlingen, aber auch die Angst geht um.
HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Im Burgenland wurden laut Polizeiangaben im Jahr 2022 bereits 75.000 Migranten registriert. Das Ö1-"Morgenjournal" stattete dem am heftigsten betroffenen Ort Nickelsdorf einen Lokalaugenschein ab. Wie die Sendung am Mittwoch berichtet, seien bei Temperaturen um den Gefrierpunkt kleine Gruppen von Flüchtlingen aus Afghanistan und Indien am Parkplatz nahe dem Bahnhof anzutreffen gewesen – teils spärlich bekleidet, nur mit Socken. Bei den folgenden Kontrollen mussten sie ihre Smartphones und Ladegeräte abgeben, dann wurden sie zur polizeilichen Registrierung gebracht. 

"Es wird radikaler in unserer Gemeinde"

Im Ort selbst geht laut dem Lokalaugenschein vor allem Sorge um. "Wenn da die Menschen sitzen und kein gescheites Gewand anhaben, dann tun mir die einfach nur leid. Sie haben wahrscheinlich ein Vermögen ausgegeben, um hierherzukommen und haben wenig Zukunft. Aber Angst habe ich keine, die haben wahrscheinlich mehr Angst als ich", sagt eine Einheimische.  Eine andere erklärt: "Das letzte Mal war einer in kurzen Hosen bei den Graden, das muss ja auch ein Wahnsinn sein. Sie tun mir ja leid, aber alle aufnehmen wird auch nicht so super sein für uns, sagt eine andere."

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    Bilder aus der Grenzregion: alte Rucksäcke, Kleidung und Müll
    Bilder aus der Grenzregion: alte Rucksäcke, Kleidung und Müll
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    Ein Nickelsdorfer ortet, dass es "radikaler wird in unserer Gemeinde". Die Leute würden sich "eingeengt in ihrem Radius" fühlen. Dazu würden in den sozialen Netzwerken Postings gemacht, wo Migranten herumsitzen würden und dass man Angst um die Kinder habe, so der Einheimische. Noch größer scheinen die Bedenken der Pensionisten des Ortes gegenüber den Asylsuchenden zu sein. "Wir haben sie beobachtet, wie sie an allen Türen gerissen haben. Die müssen schon Hunger gehabt haben, ich weiß es nicht", sagt eine Pensionistin, die sich nur mehr zu lüften traut, wenn sie am Fenster stehen bleibt.

    "Wenn sie länger da sind, dann werden sie stark"

    "Wir wissen, dass die, die jetzt kommen, nichts machen. Aber wenn sie länger da sind, dann werden sie stark. Meine Enkelkinder, das wird schlimm. Ich bin früher gewandert durch die Gegend, das ist vorbei", so eine andere Pensionistin. Gefährlich seien die Flüchtlinge nicht, "aber Angst hat man trotzdem". Ein Nickelsdorfer wiederum sieht das überhaupt nicht so: "Ich hab selber einige aufgelesen, im Wald draußen. Die waren sehr freundlich, eine ganze Familie." Und eine Frau sagt: Was soll die ganze Aufregung? Man nimmt ein paar auf, integriert sie in den Arbeitsmarkt, wir haben viel zu wenig Leute."

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