Der Blick aus dem All lässt kaum Zweifel: Frankreich ist im Sommer 2026 deutlich ausgetrocknet. Die drei Satellitenaufnahmen zeigen ein Land, das im August 2024 noch vielerorts grün war, 2025 bereits helle braune Flächen aufwies und 2026 über weite Regionen beige bis ockerfarben wirkt. Laut Auswertungen des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus standen Mitte Juli mehr als 85 Prozent Frankreichs unter Dürre-Warnung oder Alarm. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum 2025 waren es rund 65 Prozent, 2024 weniger als zwei Prozent.
Besonders auffällig ist der Sprung im Satellitenvergleich: Das Bild vom 11. August 2024 dient als grüner Referenzpunkt. Am 12. August 2025 breiteten sich bereits blassbraune Flächen im Westen und im Pariser Becken aus. Auf der Aufnahme vom 8. August 2026 wirkt das Land noch trockener. In der Begleitbeschreibung heißt es übersetzt, im rechten Bild dominierten beige und ockerfarbene Töne von der Atlantikküste bis zu den nördlichen Ebenen.
Die Wetterdaten erklären, warum Frankreich auf den Bildern so ausgeblichen wirkt. West-Europa erlebte im Juli 2026 den zweitwärmsten Juli seit Beginn der entsprechenden Auswertung. Die Durchschnittstemperatur in dieser Region lag bei 22,48 Grad – 2,53 Grad über dem Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Nur der Juli 2006 lag mit 22,54 Grad knapp darüber.
Über ganz Europa betrachtet war das Bild weniger einheitlich. Über europäischem Land lag die Durchschnittstemperatur im Juli bei 20,49 Grad und damit 0,66 Grad über dem Klimamittel. Das machte den Monat zum elftwärmsten Juli im ERA5-Datensatz. Der Grund: Die extreme Wärme im Westen wurde durch kühlere Bedingungen in großen Teilen Osteuropas sowie in Fennoskandien teilweise ausgeglichen.
Frankreich war einer der Hotspots. Für das Land wird im vorliegenden Material der wärmste Juli seit Beginn der Aufzeichnungen genannt, mit einer Abweichung von +3,8 Grad. Auch Deutschland, Nordostspanien, England, die Schweiz und Westitalien lagen deutlich über dem Durchschnitt – in vielen Regionen um drei bis fünf Grad. Die Hitze trat vor allem in der ersten Julihälfte und erneut gegen Monatsende auf.
Die Trockenheit blieb aber nicht auf Frankreich beschränkt. Im Juli 2026 herrschten in großen Teilen West-, Mittel- und Osteuropas trockenere Bedingungen als üblich. Besonders deutlich war das Signal unter anderem auf der Iberischen Halbinsel, in Frankreich, Deutschland, Österreich und Ungarn. In vielen dieser Regionen sank die oberflächennahe Bodenfeuchte auf den niedrigsten Juli-Wert seit mindestens 1979.
Auch Flüsse gerieten unter Druck. Deutlich unterdurchschnittliche Abflüsse dominierten in weiten Teilen Europas – darunter Frankreich, Deutschland, die Schweiz, Österreich, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Polen, die Ukraine, Belarus, Großbritannien, Irland und Teile Südskandinaviens. Besonders niedrige Wasserstände wurden für große Flusssysteme wie Seine, Rhein und Donau beschrieben.
Meteorologisch hängt die Lage mit stabilen Hochdruckbedingungen zusammen. Diese begünstigten sonniges, trockenes Wetter, hielten Hitze über der Region fest und ließen warme Luft aus Nordafrika nach Norden strömen. Gleichzeitig verstärken hohe Temperaturen den Wasserverlust aus Böden und Vegetation. Sind Böden erst ausgetrocknet, fehlt Verdunstungskühlung – die Hitze kann sich weiter verschärfen.
Was auf den Satellitenbildern wie ein Farbwechsel aussieht, ist damit ein sichtbares Warnsignal: Frankreich ist im Sommer 2026 nicht nur heiß, sondern auch großflächig trocken. Und der europäische Blick zeigt: Die Dürre trifft den Westen besonders hart, reicht aber weit über Frankreich hinaus.