Fußballfest in Traiskirchen! Der Regionalligist empfängt am Samstag (17.30 Uhr) in der zweiten ÖFB-Cup-Runde die Wiener Austria. Im Blickpunkt: Philipp Hosiner. Die violette Legende beendete im Mai bei den Young Violets ihre Profi-Karriere, stürmt seit wenigen Wochen als Amateur für die Niederösterreicher.
Im "Heute"-Interview spricht der 37-Jährige über das brisante Match, die Krise in Favoriten, seinen künftigen Job bei den "Veilchen" und den ewigen Torriecher.
"Heute": Was ging Ihnen bei der Cup-Auslosung durch den Kopf?
"Ich habe am Handy den Livestream aufgedreht und die Einblendung Traiskirchen gegen Austria gesehen. Danach war extreme Freude da, es ist einfach etwas Besonderes für mich, weil ich die erfolgreichste Zeit meiner Karriere bei der Austria gehabt habe, vor ein paar Monaten erst von den Fans dort verabschiedet wurde. Dass ich jetzt so schnell gegen sie spiele, ist schon ein besonderes Erlebnis. Aber es löst auch gemischte Gefühle aus.
Warum?
"Weil natürlich auch mein Austria-Herz blutet. Die aktuelle Situation geht nicht spurlos an mir vorüber. Ich weiß, dass die Spieler, Trainer und Fans alles für den Verein geben. Wenn dann punktemäßig nicht viel herausschaut, ist es extrem bitter. Man hat alle drei Tage ein Spiel, aber es reicht international nicht und in der Liga fehlen dann wahrscheinlich die entscheidenden Körner. Sie sind in einen Teufelskreis gekommen. Ich hoffe, sie kommen so schnell wie möglich wieder raus."
Aber: Ausgerechnet Sie könnten die violette Krise am Samstag noch verschärfen.
"Ja, das ist wirklich kurios. Ich freue mich einfach auf ein Fußballfest, weiter will ich nicht denken."
Werden Sie bei einem Torerfolg jubeln?
"Nein, auf keinen Fall. Das geht vor allem in der aktuellen Situation nicht. Die Austria ist mein ehemaliger Arbeitgeber und auch mein zukünftiger. Das gehört sich nicht. Aber ich werde natürlich trotzdem mein Bestes geben."
Sie werden Individualtrainer für die Offensive in der Akademie. Wann?
"Es ist so besprochen, dass ich ab 1. Jänner 2027 einsteige. Das hat aber mit Traiskirchen nichts zu tun, das war immer so ausgemacht."
Sie haben Ihre Karriere eigentlich schon beendet, dann überraschend bei Traiskirchen unterschrieben. Wie kam es dazu?
"Offiziell habe ich nur meine Profi-Karriere beendet und es mir offengelassen, auf Amateurebene weiterzuspielen. Ab Mitte Mai, also nach dem letzten Match, habe ich zwei Monate Abstand vom Fußball genommen, habe mich wenig damit beschäftigt. Zuerst ist er mir gar nicht abgegangen, dann schön langsam schon. Ich habe die Entscheidung getroffen, dass ich wieder spielen will, wenn es eine leiwande Mannschaft gibt, ich Spaß habe. So ist das mit Traiskirchen gekommen. Sie haben es mir ermöglicht, dass ich den Sommer mit meiner Familie genießen kann. Ich habe insgesamt drei Monate pausiert. Direkt nach dem Urlaub bin ich ins Training eingestiegen."
Und haben auf Anhieb einen Doppelpack geschnürt.
"Ich hatte erst drei Trainings nach drei Monaten Urlaub in den Beinen. Ich hätte mir selbst nicht gedacht, dass es gleich wieder so schnell geht. Aber anscheinend ist eine lange und ausgiebige Vorbereitung, so wie sie sich viele Trainer wünschen, doch nicht so notwendig. Zumindest in meinem Alter. Letzte Woche habe ich schon 90 Minuten gespielt."
Bei Traiskirchen tummeln sich viele bekannte Namen – Max Sax, Philipp Schobesberger, Patrick Schmidt, Thomas Ebner, um nur einige zu nennen. Das liest sich wie ein All-Star-Team.
"Das war der Hauptgrund für mich, dass ich zu Traiskirchen gehe. Viele Spieler kenne ich schon lange, mit einigen habe ich selbst zusammengespielt, Patrick Schmidt ist mein Cousin. Mit Schobi war ich beim Trainerkurs, mit Sax auch. Man kennt sich einfach. Es gab viele Überschneidungen, das hat gut gepasst. Und es ist eine offensive Mannschaft mit viel Spielfreude."
Mit Luca Herzog kickt auch der Sohn von Andi Herzog bei euch. Kommt er nach dem Papa?
"Er ist noch jung, hat super Anlagen und Talent. Aber ich will ihm jetzt nicht den Rucksack umhängen und sagen, dass er wie sein Papa wird. Er kann sicher von uns erfahrenen Spielern viel mitnehmen und wenn er weiter Gas gibt, wird er eine Profi-Karriere einschlagen."
Sie haben die letzten drei Jahre bei den Young Violets gespielt, dort viele Tore gemacht. War es nie ein Thema, in der Bundesliga auszuhelfen, wenn Not am Mann war?
"Ich weiß, dass man nachgedacht hat, aber dann der Weg mit jungen Spielern eingeschlagen wurde. Für mich ist das völlig okay und langfristig sicher der richtige Weg. Ich hätte mich aber nicht gewehrt, wenn sie mich gebraucht hätten. Es wäre eine Ehre gewesen, noch einmal oben auszuhelfen. Es hat sich einfach nicht ergeben."
Sie sind ein klassischer Torjäger. Davon gibt es in Österreich nicht mehr viele. Wo sind die neuen Hosiners?
"Ich hoffe, ich kann sie dann als Individualtrainer bei der Austria selbst ausbilden. Ich werde die Aufgabe haben, dass die Jungs ihre Stärken im Spiel zeigen können und dass sie wissen, wie sie von den Stärken ihrer Mitspieler profitieren können. Vielleicht ist im österreichischen Fußball jetzt das Umdenken gekommen – ein bisschen weg vom Pressing, wieder hin zum Ballbesitz. Was tun wir, wenn wir den Ball haben? Welche Lösungen gibt es?"
Zu Ihrer Geschichte gehört auch ein 2015 entdeckter und entfernter Nierentumor. Spielt das in Ihrem Leben noch eine Rolle?
"Gesundheitlich eigentlich nicht. Ich habe immer alle Nachsorgeuntersuchungen gemacht, es hat immer alles super gepasst. Nach fünf Jahren hat man eine Abschlussuntersuchung und ab da gilt man quasi als krebsfrei. Danach hat man das gleiche Risiko wie jeder andere Mensch. Es hat schon etwas gemacht mit mir. Ich lasse klarerweise meine Blutwerte regelmäßig kontrollieren, wie es alle anderen Menschen auch machen sollten. Es war ein einschneidendes Erlebnis, ich habe die Gesundheit mehr zu schätzen gelernt und achte mehr auf meinen Körper. Das ist sicher ein Mitgrund, weshalb ich mit 37 Jahren körperlich in einem sehr guten Zustand bin. Ich würde fast sagen, besser als in vielen Profijahren."
Wie lange wollen Sie noch spielen?
"Ich schaue von Saison zu Saison, habe keinen konkreten Plan. Es hängt davon ab, wie es familiär und beruflich unter einen Hut zu bringen ist."