Mehr als 20 Jahre pfiff Mike Dean auf höchstem englischen Niveau. Drei Jahre nach seinem Karriereende sorgt der 58-Jährige nun mit ungewöhnlichen Einblicken in seine Zeit als Premier-League-Schiedsrichter für heftige Diskussionen.
"Wir hatten Spiele, die wir zum Spaß gemacht haben", erzählte Dean im Podcast von Kult-Stürmer Jamie Vardy. Eines davon: möglichst lange nicht zu pfeifen. "Ich habe das ein paar Mal in der Premier League gemacht. Ich bin 20, 25 Minuten ohne Pfiff ausgekommen", behauptet der frühere Referee. Das sei noch vor der Einführung des VAR gewesen.
Doch damit nicht genug. Bei einem weiteren "Minispiel" habe Dean versucht, möglichst lange den Mittelkreis nicht zu verlassen. Einmal habe er das nach eigenen Angaben rund 15 Minuten geschafft. Zudem räumte er ein, während seiner Karriere teilweise stärker im Mittelpunkt stehen haben zu wollen, als es für einen Schiedsrichter angebracht gewesen sei.
In England lösen die Aussagen heftige Reaktionen aus. Fans werfen Dean vor, seine Aufgabe nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit ausgeübt zu haben. Das sind noch die harmloseren Reaktionen. Viele wittern einen tiefschürfenden Skandal. In sozialen Medien wurden sogar Forderungen nach einer Untersuchung laut.
Die Premier League ist längst ein Milliardengeschäft, in dem jede Schiedsrichter-Entscheidung über den ideellen Wert für Fans und Spieler hinaus folgenschwere Auswirkungen auf Klubs, hunderte Mitarbeiter und andere Stakeholder haben kann.
Unter hochrangigen Schiedsrichter-Verantwortlichen gibt es laut "Daily Mail" Zweifel an Deans Darstellung. Er nannte weder konkrete Spiele noch Zeitpunkte. Die geschilderten Szenen sollen zudem aus der Zeit vor Einführung des VAR 2019 stammen und damit unter einer früheren Führung stattgefunden haben. Dennoch: Der Auftritt im Vardy-Podcast scheint das Vertrauen in die Eliteschiedsrichter der Insel erschüttert zu haben und könnte die teuerste und für viele beste Liga der Welt noch länger beschäftigen.
Alles zur Premier League im "Heute"-Datencenter.