Es war bisher nicht gerade die WM der Schiedsrichter. Augenscheinlich ist, dass die Referees dazu angehalten sind, die Partien mehr laufen zu lassen. Das sorgt freilich für strittige Situationen. Jüngst vor allem bei Ägyptens denkbar knappem Aus gegen Argentinien im Achtelfinale (2:3), als die Nordafrikaner danach sogar von einer "manipulierten" Partie sprachen.
Die öffentlich lautgewordene Kritik hat sich die FIFA freilich selbst zuzuschreiben, nachdem Boss Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump für einen Eklat gesorgt hatten. Nach einem Anruf des Staatsoberhaupts bei FIFA-Präsident Infantino war die eigentlich obligatorische Rot-Sperre gegen US-Stürmer Folarin Balogun aufgehoben worden – ein Skandal-Urteil der FIFA-Disziplinarkommission, die danach betont hatte, unparteiisch zu sein. Der 25-Jährige durfte im Achtelfinale gegen Belgien stürmen, die "Roten Teufel" schossen den Co-Gastgeber mit 4:1 aus dem Turnier.
"Wir sind ja in den letzten Jahren viel gewohnt von der FIFA und wir wissen ja selbst: Was heute gesagt wird, muss morgen nicht mehr Bestand haben. Aber ich glaube, das ist insgesamt der Gipfel", schüttelte Deutschlands einstiger Top-Schiedsrichter Merk in der "Sportschau" den Kopf.
Er selbst war einer der besten Referees Europas und freilich auch FIFA-Schiedsrichter. Und erzählte: "Es ist ganz klar festgeschrieben, für alle Nationalverbände, in allen Ligen: Eine Rote Karte bedeutet eine Spielsperre." Er erzählte weiter: "Es hat uns in Deutschland auch mal getroffen. Es war, glaube ich, vor der WM 2006, da gab es eine Situation in der Bundesliga, da war es eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters. Die Rote Karte war klar falsch und das Sportgericht hatte überlegt, den Spieler freizusprechen. Die FIFA hat gedroht: Wenn ihr das macht – das ging nicht nur dem DFB so, sondern auch anderen Verbänden", schilderte Merk.
Die Drohung habe es in sich gehabt: "Dann wird eure Nationalmannschaft aus dem nächsten Bewerb ausgeschlossen." Auch deshalb sei die Entscheidung nun umso unverständlicher. Merk sei "sprachlos", die "Integrität des Fußballs", die "Basis des Regelwerks" werde "angegriffen".