Austro-Pornostar: "Gruppensex Tabu, maximal ein Dreier"

Das Coronavirus hat auch die Erotik-Industrie mit voller Wucht getroffen. Austro-Pornostar Mick Blue gibt einen Blick hinter die Kulissen.

Das Coronavirus breitet sich weltweit nach wie vor rapide aus und hat unzähligen Bereichen einen schweren Schlag versetzt. Neben dem Tourismus oder der Gastronomie leidet vor allem auch die Film-Branche unter den Auswirkungen der Pandemie.

Große Blockbuster, Produktionen und angehende Kino-Starts mussten aufgrund der Ausbreitung des Virus unterbrochen, verschoben oder gänzlich abgesagt werden. Und die Rede ist dabei nicht nur von Hollywood, sondern auch von der freizügigeren Film-Welt, die sich an ein erwachsenes Publikum richtet.

Denn Corona hat auch die Porno-Industrie mit voller Härte getroffen. Von einem Tag auf den anderen gab es für die Unternehmen und Darsteller keine Drehs mehr, das Erotik-Gewerbe stand monatelang still. Einer, der die Krise der Sex-Branche live miterlebt und mittendrin statt nur dabei ist, ist der Österreicher Mick Blue.

"Es ist noch lange nicht vorbei"

Der gebürtige Steirer ist seit 2004 in den USA und Porno-Darsteller. Gemeinsam mit seiner Familie lebt der 44-Jährige in Los Angeles und avancierte in den vergangenen Jahren zu einem der bekanntesten Erotik-Stars überhaupt. Blue kennt die Branche wie kein Zweiter und weiß genau, wie die Pandemie die ganze Sex-Industrie auf den Kopf gestellt hat.

"Wir sind jetzt schon ein Jahr in der Corona-Krise und niemand hätte sich gedacht, dass das so lange dauern wird. Und es ist noch lange nicht vorbei", sagt der Austro-Pornostar zu "Heute". "Als im März 2020 das Ganze explodiert ist, war die Branche komplett zu. Von März bis August hat sich zu 90 Prozent in unserer Branche nichts getan."

Es habe zwar noch "ein paar Firmen" gegeben, die trotzdem Porno-Filme oder Szenen gedreht haben, "aber der Großteil hatte zu", erklärt der Österreicher. Nach einem halben Jahr Stillstand seien im August und September schließlich die Sicherheitsprotokolle für die Branche ausgearbeitet gewesen.

Gangbangs Tabu, maximal "ein Dreier"

In diesen Protokollen sei festgelegt worden, an welche Corona-Maßnahmen sich die Produktionen und Darsteller halten müssen, um wieder Pornos drehen zu können. "Jeder, der am Set arbeitet muss einen 24-Stunden-Covid-Test haben. Keinen Schnell-Test, sondern einen PCR-Test, der viel genauer ist", stellt Mick Blue gegenüber "Heute" klar.

Die Corona-Regeln betreffen allerdings nicht nur die Darsteller selbst, sondern die ganze Crew am Set, also Regisseur, Kameramann und Co. "Die Arbeit ist aber nach wie vor nicht die gleiche, wie sie vor Corona war. Von der Produktion her ist es nach wie vor gedämmt", so der Österreicher. Alle Firmen fahren laut Blue nicht 100 Prozent, "sondern nur das nötigste".

Doch auch wenn Porno-Drehs wieder stattfinden, gibt es bei den Sex-Praktiken vor der Kamera weiterhin Einschränkungen. "Gangbangs oder Gruppensex hat sich bis dato in Grenzen gehalten. Bei 90 Prozent der Szenen, die gedreht worden sind, war es ein Pärchen (Anm. Mann-Frau oder Frau-Frau)", erklärt der Steirer. "Vielleicht ein Dreier, aber mehr nicht."

"Porno-Branche hat die schärfsten Regeln"

"Ich würde sagen, dass unsere Branche die schärfsten Corona-Regeln hat", so Blue weiter. Denn: "Es gibt keine andere Branche, wo ein 24-Stunden-Test verlangt wird, um arbeiten zu können." Neben dem 24-Stunden-Test gibt es für die Darsteller und die Crew aber noch weitere Maßnahmen.

So tragen etwa die Mitarbeiter am Set bei größeren Produktionen auch alle zusätzlich einen Mund-Nasen-Schutz, obwohl sie getestet sind. Bei den Darstellern wird neben dem 24-Stunden-Test auch die Temperatur vor einem Dreh gemessen. Außerdem muss ein Fragebogen mit Krankheitsfragen ausgefüllt werden. "Dort wird gefragt, wie man sich fühlt, ob man Fieber hat oder ob man Kontakt mit erkrankten Personen hatte", erklärt Blue.

Ist der 24-Stunden-PCR-Test negativ und das Fieber gecheckt, steht einer Produktion dann nichts mehr im Weg. "Bis dato hat sich keiner am Set angesteckt, der so einen Test gemacht hat", sagt der 44-Jährige. Doch wie viele Drehs in der Woche hat ein Porno-Darsteller aktuell eigentlich im Schnitt? "Das ist ganz unterschiedlich", so Blue.

7-Tage-Woche

"Es gibt Wochen, da arbeite ich sieben Tage durch und dann gibt es Wochen, wo ich weniger arbeite", verrät der Grazer. "Ich gehe 20 bis 25 Mal im Monat testen. Es ist sicher eine Heidenarbeit, aber es geht um die Sicherheit und es gibt uns die Möglichkeit, dass wir weiter arbeiten können."

Doch in den nächsten Monaten könnte sich Lage der Porno-Branche schon bald rapide verbessern. "Wenn das Ganze mit den Impfungen besser wird und die Welt das Virus unter Kontrolle hat, dann werden auch die Produktionen wieder anfahren", weiß Blue. So werde es in den USA leichter sein, eine Impfung gegen das Virus zu bekommen, als etwa in Österreich.

"Es ist momentan eine Lotterie"

Der 44-Jährige ist noch nicht geimpft, wird sich aber "auf jeden Fall" impfen lassen. "Ich denke, es ist ein geringeres Risiko, die Impfung zu bekommen als dem Risiko ausgesetzt zu sein, zu erkranken und dass man im Spital endet. Das weiß man ja nicht und es ist momentan eine Lotterie", erklärt Blue weiter.

Der Steirer kenne viele Leute, die gesundheitlich top fit sind "und die trotzdem ins Krankenhaus gekommen sind. Und dann gibt es andere, die haben überhaupt keine Nebenwirkungen." Seiner Familie und ihm gehe es aber gut und sie seien alle gesund. "Meine Frau (Anm. Porno-Star Anikka Albrite) kümmert sich um die Kinder und ist im Prinzip zu Hause", so Blue. Und er gehe ohnehin regelmäßig zum Corona-Test.

"Österreich hat verschlafen"

Generell habe man das Thema Testen in seiner alten Heimat im Vergleich zu Amerika ein wenig verschlafen. "Österreich hatte zu Beginn sehr limitierte Möglichkeiten, einen 24-Stunden PCR-Test zu evaluieren. Das hat oft ein oder zwei Wochen dauern können, dass man ein Resultat bekommt, wenn du ein Normalbürger bist", sagt der 44-Jährige.

In den Vereinigten Staaten sei es schneller gegangen, ein PCR-Ergebnis innerhalb eines Tages zu bekommen. "Daher sind die Regeln und Vorschriften in Amerika ein wenig anders", erklärt Blue. So könnten vermutlich auch viele Branchen bereits längst offen haben, "wenn man das nicht verschlafen hätte." Und: "Man hätte sich an der Porno-Branche durchaus ein Beispiel nehmen können."

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