Der sogenannte Stein der Sonne ist eines der beeindruckendsten Relikte der Aztekenkultur. Die mehr als 24,5 Tonnen schwere Basaltscheibe liegt heute im Nationalmuseum für Anthropologie in Mexiko-Stadt und fasziniert Besucher aus aller Welt.
Im Zentrum der Scheibe prangt eine Fratze mit herausgestreckter, messerförmiger Zunge. Die meisten Archäologen deuten sie als den Sonnengott Tonatiuh, der seine Arme ausbreitet und mit Klauen menschliche Herzen umgreift.
Wie spektrum.de berichtet, zeigt der Sonnenstein die aztekische Weltsicht: Die Mexica, wie sich die Azteken selbst nannten, setzten die Zeit mit den Göttern gleich. Der Lauf der Sonne spielte in Mythologie und Kult eine zentrale Rolle.
Die Azteken glaubten, dass die Welt bereits vier Epochen durchlaufen hatte. Jede endete in einer Katastrophe: Die älteste Epoche des Jaguars ging unter, als Götter die Giganten auf der Erde von Jaguaren fressen ließen. Es folgten die Zeitalter "4 Wind", "4 Feuerregen" und weitere - bis zur damals gegenwärtigen fünften Sonne.
Ein Ring mit 20 Feldern umgibt das Bildensemble in der Mitte. Diese stehen für die 20 Tageszeichen des Ritualkalenders, der 260 Tage umfasste und mit dem 365 Tage langen Standardkalender verschränkt war.
Der Kalenderstein kam 1790 bei Bauarbeiten in Mexiko-Stadt zum Vorschein. Die Spanier hatten 1521 die Aztekenhauptstadt Tenochtitlán dem Erdboden gleichgemacht und auf dem Schutt ihre neue Hauptstadt errichtet.
Am oberen Rand der Scheibe findet sich das Datum "13 Rohr", was dem Jahr 1479 entspricht. Damals regierte Axayacatl über das Aztekenreich. Mit der Entdeckung des Sonnensteins begann Ende des 18. Jahrhunderts die wissenschaftliche Aztekenforschung.