Archäogenetik

DNA-Studie widerlegt Mythos der Völkerwanderung

Germanen-Invasion nach Roms Fall? Hunderte Erbgutproben aus Bayern und Hessen zeichnen ein ganz anderes Bild der Spätantike.
Newsdesk Heute
30.04.2026, 21:56
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Lange galt es als historisches Faktum: Als das Römische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. zerfiel, stürmten Germanen aus dem Norden über den Limes und nahmen die ehemals römischen Gebiete ein. Doch diese Vorstellung der Völkerwanderung könnte ein Mythos sein.

Ein internationales Forscherteam um den Paläogenetiker Joachim Burger von der Universität Mainz hat jetzt das Erbgut von 258 Menschen untersucht, die zwischen 400 und 700 n. Chr. im heutigen Hessen und Bayern gestorben waren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal "Nature" veröffentlicht.

Wie spektrum.de berichtet, widersprechen die Daten dem Bild einer plötzlichen Masseneinwanderung. Die Vorfahren der untersuchten Menschen seien bereits vier bis sechs Generationen vor deren Tod aus dem Norden eingewandert – also mehr als hundert Jahre vor dem Zerfall des Reiches.

Integration statt Invasion

Statt einer Völkerwanderung zeigt die Studie, dass kleine Familienverbände in das Römische Reich einwanderten und sich dort vollständig integrierten. "Die Situation wäre vergleichbar damit, dass sich heute die USA aus Europa zurückziehen und sich gleichzeitig die Bundesrepublik Deutschland als Staat auflöst", erklärt der Historiker Steffen Patzold von der Universität Tübingen.

Die Zuwanderer passten sich rasch an die römische Lebensweise an. "Nach einiger Zeit dürften alle Latein gesprochen haben", so Burger. Nur bei der Partnerwahl blieben sie ihrer alten Heimat treu und heirateten bevorzugt Seinesgleichen.

Neue Methoden, neue Erkenntnisse

Die Erbgutproben stammen aus Reihengräbern in Weilheim in Bayern sowie aus Büttelborn und Mömlingen im Rhein-Main-Gebiet. Die Forscher fanden auch Menschen mit Erbgut aus Südosteuropa, Italien und sogar Westasien – vermutlich Nachfahren von Hilfstruppen der römischen Armee.

Hubert Fehr vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege betont: Das Erbgut widerspreche "dem traditionellen Bild der Völkerwanderung diametral". Die Studie sei das Ergebnis "einer sehr guten Zusammenarbeit von Naturwissenschaft, Geschichte und Archäologie".

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