"Hat es immer schon gegeben"

Experte zerlegt den größten Klimawandel-Mythos

Klimamythen kursieren online rasant. Klimaforscher Stefan Rahmstorf erklärt, warum das Argument "Klima änderte sich immer" keines ist.
Newsdesk Heute
26.04.2026, 20:41
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In sozialen Medien halten sich Klimamythen hartnäckig. Gemeinsam mit dem Planetary Boundaries Science Lab räumt der deutsche Stefan RahmstorfKlimaforscher Stefan Rahmstorf jetzt mit den größten Irrtümern auf. Zu Beginn der Serie widmet er sich einem besonders verbreiteten Argument: Das Klima habe sich immer verändert – also könne der Mensch nicht schuld sein.

Rahmstorf widerspricht klar und erklärt die physikalischen Grundlagen: "Das Klima wird durch die von der Sonne einfallende Energie und die von der Erde als langwellige Strahlung in den Weltraum abgegebene Energie bestimmt. Und wann immer sich dieses Strahlungsgleichgewicht verändert – sei es durch natürliche Ursachen oder durch menschliches Einwirken –, ändert sich auch das Klima."

Tatsächlich habe es immer natürliche Klimaschwankungen gegeben. Doch genau daraus lasse sich ableiten, wie sensibel das System reagiert: "Zu den natürlichen Ursachen in der Vergangenheit gehörten beispielsweise Veränderungen der Erdumlaufbahn, deren Zyklen seit den 1920er Jahren als Ursache für die Eiszeiten bekannt sind – Eiszeitzyklen, die alle 100.000 Jahre auftreten. Auch Schwankungen des Kohlendioxidgehalts aus natürlichen Gründen im Rahmen dieser Eiszeitzyklen haben beispielsweise die globale Temperatur verändert. Und nun fügen wir der Atmosphäre zusätzlich Kohlendioxid hinzu. Es ist jetzt höher als jemals zuvor in mindestens 15 Millionen Jahren aufgrund unserer Emissionen. Und da das Klima in der Vergangenheit immer empfindlich auf diese Veränderungen im Strahlungshaushalt reagiert hat, tut es dies auch jetzt, da wir das Klima verändern."

Das oft gebrachte Gegenargument dreht laut dem Experten die Realität sogar ins Gegenteil: "Das ist so, als würde jemand sagen, Blitze können auf natürliche Weise Brände verursachen, daher kann der Mensch sie unmöglich ausgelöst haben. Und wir wissen, dass das nicht der Fall ist. Wenn jemand zu dem Schluss kommt, dass das Klima nicht auf die von uns verursachten Veränderungen reagiert, weil es sich in der Vergangenheit immer stark verändert hat, dann ist das genau das Gegenteil dessen, was Paläoklimatologen wie ich feststellen."

Gerade die Vergangenheit liefere den Beweis für den heutigen Einfluss des Menschen: "Wir wissen, wie empfindlich das Klima in der Vergangenheit reagiert hat, und es wird auch jetzt wieder so reagieren, da wir die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre verändert haben. Und tatsächlich nutzen wir das Ausmaß dieser Klimaveränderungen in der Vergangenheit. Wir nutzen diese Daten, um unsere Modelle zu kalibrieren und zu testen."

Wie treffsicher die Vorhersagen schon seit Jahrzehnten sind, zeigt eine Meta-Analyse verschiedener Klimamodelle, die zwischen 1970 und 2007 veröffentlicht wurden. Das Fazit der Wissenschafter rund um Zeke Hausfather: "Wir stellen fest, dass die in den letzten fünf Jahrzehnten veröffentlichten Klimamodelle die globale Erwärmung in den Jahren nach ihrer Veröffentlichung im Allgemeinen recht genau vorhergesagt haben." (doi.org/10.1029/2019GL085378)

Der Mythos vom "natürlichen Klimawandel" hält sich dennoch hartnäckig – doch gerade die Erdgeschichte zeigt, warum der Mensch heute sehr wohl eine entscheidende Rolle spielt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.04.2026, 20:41
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