Was da auf dem Mars passiert, gibt selbst Experten Rätsel auf. Ein riesiger dunkler "Schatten" breitet sich seit rund 50 Jahren langsam über die Oberfläche des Roten Planeten aus – und niemand kann genau sagen, warum.
Erstmals entdeckt wurde das Phänomen 1976 von NASA-Sonden. Damals fotografierten die Viking-Missionen einen auffälligen dunklen Bereich in der Region Utopia Planitia, einer gewaltigen Ebene auf der Nordhalbkugel des Mars. Seitdem zeigen immer neue Bilder: Der Fleck wächst.
Aktuelle Aufnahmen der ESA-Sonde "Mars Express" aus dem Jahr 2024 belegen jetzt, wie stark sich das Gebiet verändert hat. Teile des südlichen Randes haben sich um mindestens 320 Kilometer verschoben. Das bedeutet: Der dunkle Bereich wächst im Schnitt um etwa 6,5 Kilometer pro Jahr.
Doch was steckt dahinter? Klar ist: Es handelt sich nicht um einen echten Schatten, sondern um dunkles Material – Asche und vulkanische Gesteine wie Olivin und Pyroxen. Diese stammen aus uralten Ausbrüchen, lange bevor der Mars geologisch "tot" wurde.
Die große Frage ist aber: Warum breitet sich das Material immer weiter aus?
Forscher vermuten, dass Winde eine entscheidende Rolle spielen. Die dünne Mars-Atmosphäre ist dafür bekannt, Staub und Asche über weite Strecken zu transportieren. Doch welche Prozesse genau dahinterstecken, ist unklar.
In einer Stellungnahme erklären ESA-Vertreter: "Für die Ausbreitung der Asche in den letzten 50 Jahren gibt es zwei mögliche Erklärungen: Entweder wurde sie von Marswinden aufgewirbelt und verweht, oder der ockerfarbene Staub, der zuvor die dunkle Asche bedeckte, ist weggeweht worden." Welche dieser Theorien stimmt, wissen die Wissenschafter bisher nicht.
Die Region selbst ist seit Jahrzehnten ein Hotspot der Forschung. Schon 1976 landete dort die Sonde Viking 2 und führte mehrere "biologische Experimente" durch, bevor sie 1980 verstummte.
Auch China schickte 2021 mit dem Rover Zhurong ein Fahrzeug nach Utopia Planitia. Der Rover sammelte bis 2023 Daten, bevor auch er den Kontakt verlor. Die Ergebnisse sind jedoch brisant: Laut chinesischen Forschern war das Gebiet einst von einem riesigen Ozean bedeckt. Sogar eine mögliche ehemalige Küstenlinie wurde identifiziert.
Zudem gibt es Hinweise auf eine überraschende Klima-Veränderung vor rund 400.000 Jahren. Unter der Oberfläche vermuten Experten außerdem große Mengen Eis – ein möglicher Schlüssel bei der Suche nach außerirdischem Leben.
Und auch die markanten Risse im Boden, sogenannte Graben, liefern Hinweise darauf, dass es auf dem Mars einst tektonische Aktivität gegeben haben könnte. Der wachsende Schatten bleibt dennoch eines der größten ungelösten Rätsel. Klar ist nur: Der Mars ist längst nicht so "tot", wie man früher dachte.