Wer im Sommer auf Insektensprays setzt, glaubt sich vor lästigen Gelsen in Sicherheit. Doch eine neue Studie sorgt jetzt für Aufsehen: Unter bestimmten Umständen können die Blutsauger durch den wichtigsten Abwehrstoff Diethyltoluamid, kurz DEET, regelrecht angezogen werden.
Jedes Jahr sterben weltweit rund eine Million Menschen an Krankheiten, die von Mücken übertragen werden. DEET gilt seit Jahrzehnten als einer der wirksamsten Schutzstoffe gegen die lästig bis gefährlichen Insekten. Umso überraschender sind die Ergebnisse eines Forscherteams der Universität Tours in Frankreich, die nun im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht wurden.
Die Wissenschafter orientierten sich an einem berühmten Experiment des russischen Physiologen Iwan Pawlow. Dieser hatte gezeigt, dass Hunde lernen können, ein Glockensignal mit Futter zu verbinden. Die Tiere begannen schließlich schon beim Klang der Glocke zu speicheln.
Ähnlich gingen die Forscher nun bei Mücken vor. Die Insekten erhielten Blut als Nahrungsquelle, während gleichzeitig Luft mit DEET-Geruch in ihre Versuchskammer geleitet wurde. Anfangs hielten sich die Tiere noch zurück. Nach mehreren Wiederholungen änderte sich das Verhalten jedoch deutlich.
Schon nach drei Trainingsdurchgängen reagierten die Mücken auf den DEET-Geruch allein mit einer regelrechten Fressattacke. Rund 60 Prozent der trainierten Tiere versuchten sofort zuzustechen. Bei den nicht trainierten Mücken waren es lediglich 17 Prozent.
Besonders brisant wurde es im nächsten Schritt. Die Forscher stellten die Insekten vor die Wahl zwischen zwei menschlichen Händen. Eine war mit DEET behandelt, die andere nicht.
Das Ergebnis erstaunte selbst die Wissenschafter: Sämtliche untrainierten Mücken mieden die mit DEET eingeriebene Hand. Bei den trainierten Tieren entschied sich hingegen mehr als die Hälfte für die vermeintlich unattraktive DEET-Hand.
Dabei spielte es keine Rolle, ob die Mücken zuvor Blut oder Zucker als Belohnung erhalten hatten. In beiden Fällen lernten die Tiere, den Geruch des Abwehrmittels mit Nahrung zu verbinden.
Die Forscher betonen, dass DEET weiterhin eines der wirksamsten Mittel gegen Mücken bleibt. Die Ergebnisse könnten jedoch erklären, warum manche Menschen trotz Insektenspray gestochen werden.
Laut den Wissenschaftern könnte das Problem vor allem dann auftreten, wenn das Spray bereits mehrere Stunden auf der Haut ist. Sinkt die Konzentration des Wirkstoffs, reicht sie womöglich nicht mehr aus, um die Mücken abzuschrecken. Der Geruch ist aber noch wahrnehmbar – und könnte bei bereits "trainierten" Insekten sogar den Appetit anregen.
Wer sich schützen will, sollte DEET deshalb regelmäßig und entsprechend den Herstellerangaben nachtragen. Die Forscher hoffen nun, dass ihre Erkenntnisse helfen, den Schutz vor Mückenstichen künftig noch wirksamer zu machen.