Wer mit Freunden an einem Sommerabend im Gastgarten sitzt, kennt das Phänomen: Eine Person wedelt hektisch um sich, zählt bereits den fünften Stich – während die andere daneben völlig unbehelligt bleibt. Jahrzehntelang galt das als Laune der Natur. Doch die Wissenschaft zeigt inzwischen: Gelsen haben durchaus Vorlieben. Und manche Menschen scheinen für sie tatsächlich ein regelrechter Magnet zu sein.
Die schlechte Nachricht für Betroffene: Vieles davon liegt nicht in der eigenen Hand.
Seit Jahren kursiert die Behauptung, Menschen mit Blutgruppe O würden häufiger gestochen. Tatsächlich gibt es dafür wissenschaftliche Hinweise – wenn auch keine absolute Gewissheit.
Wichtiger als die Blutgruppe scheint hingegen die individuelle Körperchemie zu sein. Gelsen orientieren sich an einem Cocktail aus Signalen: Körperwärme, Kohlendioxid, Hautbakterien und Schweißbestandteile.
Menschen, die mehr CO₂ ausatmen – etwa größere Personen oder Menschen mit höherem Stoffwechsel –, wirken attraktiver. Sport unmittelbar vor einem Abend am Wasser erhöht die Chancen auf Stiche zusätzlich. Der Grund: erhöhte Körpertemperatur und stärkeres Schwitzen.
Auch Milchsäure, Ammoniak und Fettsäuren auf der Haut spielen eine Rolle. Das erklärt, warum manche Menschen trotz frischer Dusche regelmäßig gestochen werden: Der entscheidende Duft wird nicht durch mangelnde Hygiene verursacht, sondern durch das Zusammenspiel aus Hautmikrobiom und Genetik. Kurz gesagt: Gelsen riechen nicht den Menschen – sie riechen seine Chemie.
Eine der bislang wichtigsten Studien zum Thema erschien 2022 im renommierten Fachjournal "Cell". Forschende der Rockefeller University in New York wollten wissen, warum einzelne Menschen über Jahre hinweg konstant häufiger von Gelsen gestochen werden als andere. Das Ergebnis überraschte: Der entscheidende Faktor sitzt offenbar auf unserer Haut.
Im Experiment trugen Probandinnen und Probanden mehrere Stunden lang Nylonstrümpfe am Unterarm. Die daran haftenden Körpergerüche wurden anschließend Tigermücken (Aedes aegypti) präsentiert – jenem aggressiven Stechinsekt, das Krankheiten wie Dengue oder Zika übertragen kann. Das Resultat fiel drastisch aus: Manche Menschen waren für die Tiere bis zu hundertmal attraktiver als andere.
Verantwortlich dafür seien vor allem sogenannte Carbonsäuren, die auf der Haut entstehen. Sie werden von Hautbakterien aus Talgstoffen produziert und formen so etwas wie einen individuellen Geruchsfingerabdruck. Menschen mit besonders hohen Konzentrationen dieser Säuren wirkten auf Gelsen regelrecht unwiderstehlich.
Die ernüchternde Antwort lautet: nur begrenzt. Wenn Hautchemie und Mikrobiom entscheidend sind, hilft weder häufiges Duschen noch ein anderes Duschgel dauerhaft. Die Cell-Studie deutet sogar darauf hin, dass die individuelle Attraktivität über Jahre erstaunlich konstant bleibt. Forschende denken deshalb bereits über neue Schutzstrategien nach – etwa Cremes, die den Geruch der Haut gezielt verändern oder bestimmte Bakterien auf der Haut beeinflussen könnten.
Bis dahin bleiben die Klassiker: helle Kleidung, lange Ärmel, Ventilatoren auf Balkon oder Terrasse – und Repellents.