Gigantische Unterwasser-Welle

Neues Extremwetter in Österreich? Meteorologe packt aus

Ö3-Wettermann Sigi Fink warnt vor einem möglichen Super-El-Niño. Das Wetterphänomen könnte global für neue Temperaturrekorde sorgen.
Newsdesk Heute
29.05.2026, 17:12
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Der bekannte Meteorologe und Ö3-Wecker-Wettermann Sigi Fink schlägt Alarm: Ein sogenannter Super-El-Niño sei bereits im Entstehen. In einem Facebook-Posting erklärt der Wetterexperte, dass vieles auf ein außergewöhnlich starkes Ereignis hindeute, das weltweit für neue Temperaturrekorde und extreme Wetterlagen sorgen könnte.

El Niño beschreibt eine periodisch auftretende Erwärmung des Pazifiks vor der Westküste Südamerikas. Dadurch geraten gewohnte Wettermuster rund um den Globus durcheinander. Regionen, die normalerweise viel Regen bekommen, erleben oft Trockenheit. Andere Gebiete müssen hingegen mit deutlich mehr Niederschlägen rechnen.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Wo normalerweise nass, wird es trockener als üblich. Wo trocken, wird es nasser", erklärt Fink. Besonders betroffen könnten laut dem Meteorologen Teile Südamerikas, Australien und der Amazonas-Regenwald sein. Je nach Lage am Pazifik drohen Trockenheit, Waldbrände oder auch Überschwemmungen.

Für Österreich seien die Auswirkungen zwar weniger direkt spürbar, ganz verschont bleibe Europa aber nicht. "Jedenfalls wird es global ein ereignisreiches zweites Wetterhalbjahr werden…", sagt er.

Neue Horror-Fluten?

Sorgen bereitet Fink daneben auch das ungewöhnlich warme Mittelmeer. In den vergangenen Jahren wurden rund um die Balearen oder nördlich von Sizilien wiederholt Wassertemperaturen von 30 Grad und mehr gemessen.

Diese zusätzliche Wärme könne heftige Unwetter begünstigen. Wenn sich Tiefdruckgebiete über dem Mittelmeer entwickeln, stehe deutlich mehr Energie zur Verfügung. Die Folge könnten Starkregen, Sturzfluten, Tornados oder zerstörerische Fallwinde sein. Als Beispiele nennt Fink die verheerenden Unwetter bei Valencia sowie die Hochwasserlage in Niederösterreich (beide 2024).

Die aktuelle Hitzewelle mit außergewöhnlich hohen Mai-Temperaturen könnte laut dem Meteorologen bereits ein erster Vorgeschmack sein. "Keiner weiß es". Fest steht für ihn: Das Wetter bleibt spannend.

Schon ab dem Wochenende erwartet Fink eine deutlich wechselhaftere Wetterphase. Gewitter sollen häufiger werden, kommende Woche könnten die Temperaturen zeitweise sogar unter die 25-Grad-Marke fallen. Die Wetterlage werde von Fronten geprägt sein – mit einem ständigen "Ab, Auf und Ab bei den Temperaturen".

Gigantische Unterwasser-Welle verändert Wetter

"Ein El Niño wird voraussichtlich später im Jahr eintreffen", sagte die US-Weltraumbehörde NASA. Der Blick auf die Meeresspiegel-Daten von Sentinel-6 Michael Freilich (Video unten) spricht eine deutliche Sprache. Der Satellit misst alle 10 Tage die Höhe des gesamten Ozeans und konnte so eine Hunderte von Kilometern breite Kelvin-Welle – unter der Wasseroberfläche – im Pazifischen Ozean dokumentieren.

Sie bewegt sich ostwärts Richtung Südamerika und heizt das Meerwasser teils massiv auf. In manchen Regionen liegt die Temperatur bereits bis zu 7,5 Grad über dem Durchschnitt.  Klimaforscher schlagen Alarm: Genau diese mächtige Kelvin-Welle im Pazifik könnte den "Super El Niño" auslösen. Der Begriff ist zwar kein Teil der offiziellen Klassifikationen des Phänomens, Experten befürchten dennoch ein Ereignis, das sogar stärker ausfallen könnte als der historische El Niño von 1997/98.

Tiefenwasser blockiert

Der Auslöser liegt tief unter der Meeresoberfläche. Kelvin-Wellen entstehen, wenn die Passatwinde schwächer werden oder sich umkehren. Dann wird warmes Wasser vom westlichen Pazifik Richtung Osten gedrückt. Genau das passiert derzeit besonders intensiv. Verantwortlich dafür sind unter anderem die jüngsten La-Niña-Phasen und rekordwarme Ozeane.

Sobald die warme Wasserwelle den äquatorialen Pazifik erreicht, gerät das empfindliche Gleichgewicht im Meer durcheinander. Die sogenannte Sprungschicht wird gestört, kaltes Tiefenwasser steigt schlechter auf und die Oberfläche des Ozeans heizt sich weiter auf.

Schematische Darstellung der Auswirkungen von El Niño im Pazifikraum
APA-Images / APA-Grafik

Die Folgen könnten weltweit spürbar werden. Ein starker El Niño bringt oft extreme Wetterlagen mit sich – von Dürren und Hitzewellen bis zu heftigen Überschwemmungen und hoher Luftfeuchtigkeit. Auch Jetstreams sowie Hoch- und Tiefdruckgebiete verschieben sich dadurch massiv.

Klimaforscher warnen deshalb bereits vor möglichen Rekordtemperaturen in der Region im Jahr 2027. "Der Grund, warum das so wichtig ist, liegt darin, dass das, was im tropischen Pazifik passiert, nicht im tropischen Pazifik bleibt", erklärt Klimaexperte Daniel Swain.

"Brutaler Hitze-Sommer"?

Direkte Prognosen für Österreich lassen sich daraus aber nicht ableiten, warnte Meteorologe Marcus Wadsak bereits vor einigen Tagen: "El Niño hat keinen Einfluss auf unser Wetter, er wird also auch nicht entscheiden, wie unser Sommer wird".

Anstatt über ein Pazifik-Phänomen zu spekulieren, wäre es aus seiner Sicht wichtiger, über den globalen Klimawandel insgesamt zu informieren: "Der findet statt und der ist der Grund, warum unsere Sommer tendenziell immer heißer werden, warum wir immer höhere Temperaturen erleben, warum Hitzephasen und Trockenheit immer länger dauern. Das sind die Folgen, die wir auch in Österreich zu spüren kriegen."

{title && {title} } red, {title && {title} } 29.05.2026, 17:12
Jetzt E-Paper lesen