Wadsak zu El Niño-Sorgen

"Brutale Hitze-Sommer" – Meteorologe lässt aufhorchen

El Niño soll Europa einen sengenden Hitze-Sommer bescheren. Das ist Übertreibung, warnt Marcus Wadsak. Unser Wetter beeinflusst etwas ganz anderes.
Wetter Heute
20.05.2026, 14:55
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Ein "Horror-Sommer" samt "Höllen-Hitze" soll bevorstehen, Europa würde "extrem gegrillt".  Solche reißerische Behauptungen und Spekulationen machen sich seit einigen Wochen im deutschsprachigen Internet die Runde. "Weltweit drohen zwei brutale Hitze-Sommer", titelte etwa die deutsche "Bild" am 15. Mai. Der Auslöser der vermeintlichen Temperatur-Apokalypse ist schnell ausgemacht: El Niño.

"Ich glaube, es ist höchste Zeit, dass wir uns das kurz genauer überlegen", reagiert ORF-Meteorologe Marcus Wadsak in einem neuen Facebook-Video auf diese Meldungen. Seine Devise: Kühlen Kopf bewahren, rational denken.

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Das El Niño-Phänomen ist ein immer wiederkehrendes Phänomen – es gibt somit Erfahrungen über seine Auswirkungen. Und die können laut dem Wetter-Experten in vielen Regionen "katastrophal" und "verheerend" ausfallen. Die Zeichen stehen darauf, dass El Niño heuer besonders stark ausfallen dürfte – allerdings auf der anderen Seite des Globus.

Schematische Darstellung der Auswirkungen von El Niño im Pazifikraum
APA-Images / APA-Grafik

"Das ist weit weg!"

Bei El Niño handelt sich um eine in unregelmäßigen Abständen auftretende, mehrere Monate andauernde Veränderung der Meeresströmungen im Pazifik: "Da wird es auf der einen Seite [Südost-Asien] deutlich trockener, der Regen bleibt aus, und [in Südamerika] gibt es massive Regenfälle und Extremwetter-Ereignisse. Das Meer erhitzt sich an der einen Stelle ungewöhnlich stark, kühlt an der anderen Seite ab. Das führt zum Massensterben bei Fischen", erklärt Wadsak. Nachsatz: "Das Ganze ist im Pazifik. Damit ist uns schon klar: Das ist weit weg!"

„El Niño hat keinen Einfluss auf unser Wetter, er wird also auch nicht entscheiden, wie unser Sommer wird“
Marcus WadsakMeteorologe

Wie viel Einfluss kann El Niño auf Europa und Österreich also haben? "Die Antwort ist: keinen! El Niño hat keinen Einfluss auf unser Wetter, er wird also auch nicht entscheiden, wie unser Sommer wird", stellt der erfahrene Meteorologe klar. Gleichzeitig betont er, dass aus heutiger Sicht keine seriösen Prognosen für das Wetter im Sommer möglich sind. Diese reichen gerade einmal 15 Tage in die Zukunft – je weiter, desto größer die Unsicherheiten.

"Was wir sagen können: Jetzt geht es in Richtung Sommer-Sonne", so Wadsak: "Pfingsten wird sommerlich, sonnig und heiß." Am Pfingstwochenende dürfte erstmals heuer rund um Wien die 30-Grad-Marke geknackt werden. "Darüber hinaus wissen wir noch nicht, wie sich das Wetter in Österreich, in Europa im Sommer entwickeln wird. Das hat ganz andere Gründe und Ursachen als El Niño."

Die im "Bild"-Bericht zitierte Weltorganisation für Meteorologie (WMO) spricht zwar schon von einer "erwärmenden Wirkung auf das globale Klima". El Niño schlägt sich somit zwar im weltweiten Schnitt nieder, aber ein Hitze-Sommer in Europa lässt sich daraus nicht ableiten. Die Wetter-Experten betonten zudem, dass der herumgeisternde Begriff "Super-El Niño" kein Teil der offiziellen Klassifikationen des Phänomens ist.

Anstatt über ein Pazifik-Phänomen zu spekulieren, wäre es aus Wadsaks Sicht wichtiger, über den globalen Klimawandel zu informieren: "Der findet statt und der ist der Grund, warum unsere Sommer tendenziell immer heißer werden, warum wir immer höhere Temperaturen erleben, warum Hitzephasen und Trockenheit immer länger dauern. Das sind die Folgen, die wir auch in Österreich zu spüren kriegen."

Etwas heiser verabschiedete sich der TV-Meteorologe von seinen Facebook-Fans: "Sorry für die Stimme, die macht gerade Pause, ich daher beim Wetter auch. Schönen Tag und alles Gute."

{title && {title} } red, {title && {title} } 20.05.2026, 14:55
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