Im tropischen Pazifik braut sich etwas zusammen: Mehrere Klimamodelle zeigen, dass sich das Oberflächenwasser entlang des Äquators in den kommenden Monaten deutlich erwärmen könnte. Sowohl US-Behörden als auch europäische Klimadienste wie ECMWF schlagen Alarm.
Ob daraus in der zweiten Jahreshälfte 2026 ein besonders starkes Ereignis entsteht, ist noch offen. Entscheidend sind die sogenannten Niño-3.4-Werte. Sie zeigen, wie stark die Wassertemperaturen vom langjährigen Durchschnitt abweichen. Steigen sie deutlich, spricht man von "El Niño".
Die Folgen von "El Niño" könnten weltweit spürbar sein. Zwar liegt Europa nicht im Zentrum des Geschehens, dennoch sind Auswirkungen auch bei uns wahrscheinlich. Im Winter drohen Kälteeinbrüche, im Sommer könnten Hitzewellen vorwiegend im Süden Europas zunehmen.
Auch wirtschaftlich kann es uns treffen: Dürren in anderen Regionen führen zu Ernteausfällen - das wirkt sich direkt auf Preise und Versorgung in Europa aus.
"El Niño" selbst ist kein neues Phänomen. Schon vor Jahrhunderten beobachteten Fischer vor Peru, dass sich das Meer rund um Weihnachten ungewöhnlich erwärmt. Daher stammt auch der Name ("El Niño" heißt Bub oder auch Jesuskind). Doch was früher ein regionales Ereignis war, hat heute globale Folgen.
Normalerweise treiben Passatwinde warmes Wasser Richtung Australien. Bei "El Niño" schwächen sich diese Winde ab oder drehen sich sogar. Das warme Wasser staut sich vor Südamerika - mit teils dramatischen Folgen: Überschwemmungen, Stürme und Starkregen dort, während andernorts Dürren und Waldbrände zunehmen.
Von einem Super-"El Niño" spricht man, wenn die Erwärmung besonders stark ausfällt. Der Begriff ist zwar nicht offiziell, steht aber für extreme Entwicklungen.
Noch ist unklar, ob es wirklich so weit kommt. Die Wahrscheinlichkeit liegt laut Experten derzeit bei rund 20 Prozent. Klingt wenig - ist aber ernst zu nehmen. Denn: Steigen die Meerestemperaturen weiter, wächst auch das Risiko.
Besonders heikel: Ein starker "El Niño" würde die vom Klimawandel geplagte Erde zusätzlich aufheizen. Neben dem menschengemachten Klimawandel käme ein weiterer Temperatur-Schub dazu. Fakt ist: Gegen "El Niño" kann niemand etwas tun - gegen den Klimawandel schon.