Eigentlich sollten die Reinräume der NASA absolut steril sein. Doch trotz aller Sicherheitsvorkehrungen leben dort Mikroben – und eine Schimmelpilzart ist so widerstandsfähig, dass sie sogar einen Flug zum Mars überstehen könnte.
Der Schimmelpilz Aspergillus calidoustus hat in einem Experiment alle Bedingungen überlebt, die während eines Raketenstarts, des Fluges und einer Landung auf dem Mars auftreten würden. Das Team um Atul Chander vom Jet Propulsion Laboratory der NASA testete 27 Pilzstämme aus NASA-Reinräumen.
Die Sporen wurden extremen Bedingungen ausgesetzt: Temperaturen von minus 60 bis plus 150 Grad, marstypische UV-Strahlung, die dünne Marsatmosphäre sowie radioaktive Strahlung über sechs Monate hinweg.
Ihre Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Applied and Environmental Microbiology veröffentlicht. Während die meisten Pilzstämme nur einige Tests bestanden, erwies sich Aspergillus calidoustus als außergewöhnlich robust. Er trotzte der UV-Strahlung, der Marsatmosphäre und dem Mars-Regolith. Nur bei einer Kombination von extremer Kälte und hoher Strahlung sank die Zahl der lebensfähigen Pilzzellen.
"Das bedeutet nicht, dass eine Kontamination des Mars durch solche Mikroben wahrscheinlich ist", betont Seniorautor Kasthuri Venkateswaran vom JPL. Dennoch zeige das Experiment, dass diese Pilze theoretisch das Potenzial dazu haben.
Die Studie offenbart eine kritische Schwachstelle bei der Vorbereitung von Marsmissionen. Bisher konzentrierten sich die Desinfektionsprotokolle hauptsächlich auf bakterielle Sporen. Dass auch Schimmelpilze Weltraumbedingungen überstehen können, wurde bislang unterschätzt.
Für künftige Missionen zum Roten Planeten müssen die Reinigungsmaßnahmen möglicherweise angepasst werden, um sicherzustellen, dass keine irdischen Organismen fremde Himmelskörper kontaminieren.