Haben Ökonomen die Kosten des Klimawandels jahrelang unterschätzt? Eine neue Studie legt genau das nahe. Demnach könnte ein Anstieg der globalen Temperatur um nur 1 Grad das weltweite Bruttoinlandsprodukt langfristig um mehr als 20 Prozent drücken - im Extremfall sogar um fast 30 Prozent, heißt es auf der Umwelt-Plattform earth.org.
Bisher gingen viele ökonomische Modelle davon aus, dass ein Grad Erwärmung die Weltwirtschaft lediglich um etwa ein bis drei Prozent schrumpfen lässt. Diese Annahmen bildeten die Grundlage für viele politische Entscheidungen, etwa bei der Berechnung der Kosten von CO2-Emissionen.
Die neue Analyse stellt diesen Konsens nun infrage. Ökonomen kommen zum Schluss, dass die wirtschaftlichen Folgen deutlich gravierender sein könnten: Nach einem globalen Temperaturschock von einem Grad würde die Wirtschaftsleistung zunächst um 3 Prozent sinken.
In den darauffolgenden Jahren verstärke sich der Effekt jedoch deutlich und könnte nach etwa fünf Jahren ein Minus von bis zu 18 Prozent erreichen - im Extremfall könnte das BIP sogar um bis zu 30 Prozent schrumpfen.
Weiterer dramatischer Aspekt: Sollte sich die Erde bis zum Ende des Jahrhunderts um etwa zwei Grad erwärmen (ein realistisches Szenario), könnte das globale Einkommen pro Kopf um mehr als die Hälfte niedriger liegen - im Vergleich zu einer Welt ohne Erwärmung.
Ein wichtiger Unterschied zu früheren Studien liegt im Ansatz der Forscher. Während viele Untersuchungen lokale Temperaturschwankungen analysieren, konzentriert sich die neue Studie auf Veränderungen der globalen Durchschnittstemperatur. Diese stehe stärker mit extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen, Dürren, Starkregen oder Stürmen in Zusammenhang.
Besonders relevant ist die Neu-Berechnung für die CO2-Bepreisung. Regierungen versuchen, die Kosten von Treibhausgasen mit CO2-Steuern oder Emissionshandelssystemen abzubilden. Die neue Studie kommt jedoch auf deutlich höhere Schadenswerte.
Demnach könnte der gesellschaftliche Schaden einer zusätzlichen Tonne CO2 bei rund 1.000 Euro liegen. Zum Vergleich: Im europäischen Emissionshandel lag der Preis zuletzt bei rund 80 Euro pro Tonne.