Der Reaktorunfall im japanischen Atomkraftwerk Fukushima jährt sich am heutigen Mittwoch (11. März) zum 15. Mal. Ausgelöst wurde die Katastrophe 2011 durch das stärkste jemals in Japan gemessene Erdbeben und einen verheerenden Tsunami. Nachwirkungen gibt es bis heute.
Für den Radiochemiker Georg Steinhauser von der TU Wien ist der Vergleich mit Tschernobyl (heuer 40. Jahrestag) klar: Die beiden Unglücke seien "eine andere Preisklasse an Unfall", so der Forscher zur APA. Während 1986 in Tschernobyl rund 5.300 Peta-Becquerel Radioaktivität freigesetzt wurden, waren es in Fukushima etwa 520 Peta-Becquerel - also nur rund ein Zehntel.
Deutlich sei der Unterschied zwischen den beiden Unglücken auch bei den Sperrzonen: In Fukushima umfasste das Sperrgebiet 1.700 Quadratkilometer. Rund um Tschernobyl hingegen sind 30.000 Quadratkilometer stark belastet. Während die ukrainische Zone heute fast menschenleer ist, versucht Japan aktiv, die Region wieder nutzbar zu machen.
"Japan arbeitet sehr konsequent daran, praktisch jedes freigesetzte Cäsium-Atom wieder einzusammeln", erklärt Steinhauser. Weil rund 80 Prozent der Radioaktivität ins Meer getragen wurden, könnte die Sperrzone dort in einigen Jahrzehnten deutlich kleiner sein.
In Tschernobyl hingegen gelangten auch Teile des Brennstoffs selbst in die Umwelt. Dabei wurde unter anderem Plutonium freigesetzt. Viele Gebiete blieben dadurch wesentlich länger belastet.
Umweltschützer warnen vor einer Renaissance der Atomkraft in Europa: Marc Dengler, Energieexperte bei Greenpeace in Österreich: "Die Atomkatastrophe in Fukushima hat unvorstellbares Leid gebracht und sollte uns allen eine Lehre sein."
Die EU ignoriere diese Gefahr und gebe der "Atomkraft ein grünes Mascherl", so Dengler. "Der einzige Weg zu einer sicheren Energiezukunft in Europa sind erneuerbare Energien."
Trotz der Katastrophen habe die Wissenschaft große Fortschritte gemacht. Forscher verstehen heute besser, wie sich radioaktive Stoffe in Luft und Wasser ausbreiten. Auch ein Vertuschen eines Atomunfalls wäre heute kaum mehr möglich: Messnetze würden sofort Alarm schlagen, sagt.
Während Tschernobyl tausende Krebsfälle auslöste, gab es in Fukushima keine unmittelbaren Todesopfer durch Strahlung. Für Experten zeigt das: Die Welt hat aus den Katastrophen gelernt - ganz ausschließen lässt sich ein Atomunfall aber nie.