In einem der gefährlichsten Orte der Welt - tief unten im Reaktor von Fukushima - trotzen mysteriöse Mikroben seit über einem Jahrzehnt der radioaktiven Strahlung. Purer Überlebenswille gibt ihnen die Kraft, fortzubestehen.
Seit dem Atomunfall 2011 lagert in der Sicherheitskammer unter dem Reaktor hoch radioaktives Wasser. Genau dort fanden Forscher jetzt Ablagerungen, die verdächtig nach Biofilmen aussahen - mikrobielle Schleimschichten, wie man sie sonst nur in Abflüssen oder auf feuchten Steinen kennt.
Ein Forscherteam um Tomoro Warashina und Akio Kanai von der Keio-Universität wollte es genau wissen - und analysierte die Mikroben per Gensequenzierung. Die große Überraschung: Statt extrem strahlungsresistenter Arten fanden sie harmlose Bakterien, die - wie der fiktionale Strahlungsmutant Godzilla - aus dem Meer stammten.
Was bedeutet der überraschende Bakterien-Fund? Die Mikroben waren gar nicht speziell angepasst. Sie hatten keine atomaren Superkräfte wie Godzilla, sondern überlebten wahrscheinlich dank eines Tricks: Sie hausten in einem Biofilm - der schleimige Schutzmantel schirmte sie vor der tödlichen Strahlung ab.
Die Entdeckung im Reaktor wirft allerdings ein Problem auf: Biofilme wie jene, die in Fukushima gefunden wurden, können die Korrosion von Metallteilen massiv beschleunigen - und die Sicht im Wasser verringern. Zwei Dinge, die bei der jahrzehntelangen Stilllegung von Atomreaktoren zum echten Risiko werden können.