Mitten in den Schweizer Alpen soll im März 2026 die Erde beben - absichtlich. Wissenschafter der ETH Zürich wollen in einem aufwendigen Mega-Experiment gezielt ein künstliches Erdbeben auslösen. Das Ziel: Beben besser verstehen, Katastrophen früher erkennen - um weltweit Millionen Menschen in Erdbebenregionen rechtzeitig warnen zu können.
Das aufsehenerregende Projekt hört auf den Namen FEAR (dt. Angst) - steht für "Fault Activation and Earthquake Rupture" - und wird mit 13,7 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat unterstützt. Federführend dabei: die ETH Zürich, gemeinsam mit Partnern aus Aachen, Rom und anderen europäischen Instituten.
Die inneralpine Forschungsstätte BedrettoLab liefert die Kulisse für das spannende Erdbebenexperiment. Anders als bei natürlichen Beben können die Forscher hier jeden Millimeter Gesteinsverschiebung ganz genau messen. Möglich macht das ein Hightech-Netzwerk aus Sensoren, direkt im Fels verankert.
Und so funktioniert's: Mittels hydraulischer Stimulation wird Wasser in Gesteinsverwerfungen gepresst - so lange, bis sich das Gestein leicht verschiebt. Die dabei entstehenden Mikro-Beben erreichen nur Stärke 1 auf der Richterskala. Spürbar sind sie für Menschen nicht. Doch wissenschaftlich sind sie Gold wert.
Die Forscher sind begeistert: "Wir können erstmals genau verfolgen, was im Innersten der Erde passiert, wenn ein Beben ausgelöst wird", erklärt Projektleiter Stefan Wiemer. Die Messdaten werden in Echtzeit an die ETH Zürich übermittelt, wo das Team auch den Druck steuert - jederzeit kontrolliert und skalierbar.
Das Experiment soll nicht nur einmal stattfinden, sondern eine Plattform für zukünftige Bebenforschung werden. Schon jetzt zieht das Projekt internationale Wissenschafter an, die das einmalige Labor nutzen wollen. Während die Schweiz bald künstlich bebt, bereitet sich Japan auf den Ernstfall vor: Laut Regierung könnte dort ein starkes Beben hunderttausende Tote fordern.