"In der Gier nach Energie wird die Erde ausgelaugt, verbrannt, zerstört. Ganze Regionen werden unter der Hitze unbewohnbar gemacht. Fossile Kraftwerke abschalten ist Handarbeit", heißt es im Bekennerschreiben der deutschen "Vulkangruppe" nach dem Anschlag auf ein Berliner Heizkraftwerk am Morgen des 4. Jänner.
"Kern ihrer Ideologie ist der Anarchismus gepaart mit einem ausgeprägten Klima- und Umweltschutzaspekt", erklärt Terrorismus-Experte Nicolas Stockhammer von der Donau-Universität Krems auf "Heute"-Anfrage. Die "fossile Energiewirtschaft" sei daher "ein erklärtes Ziel der Aktionen" der "Vulkangruppe", so Stockhammer.
Kämpfen Umweltaktivisten in den Reihen der "Vulkangruppe"? Es sei "mit sehr großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich auch radikale Klimaschützer in den Hierarchien der Gruppe befinden", sagt Stockhammer. Denn das "Potenzial der radikalen Klimaschutzbewegung" sei "nach wie vor gegeben" - es habe sich jedoch in "linksextremistische Strukturen" verlagert.
Unser Land ist möglicherweise in Gefahr: Es sei "prinzipiell denkbar, dass diese Aktivitäten (Sabotage, Brandanschläge) nach Österreich überschwappen oder von Deutschland aus konzertiert werden" könnten, erklärt der Leiter der Forschungsabteilung "Counter-Terrorism, CVE and Intelligence" zu möglichen Attacken der "Vulkangruppe" in unserem Land.
Einzige Einschränkung: Die linksextremistische Szene sei hierzulande - auch im Größenvergleich - "viel schwächer ausgeprägt als bei den Nachbarn", sagt Stockhammer.
Auch der deutsche Terrorismus-Forscher Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung sieht einen Zusammenhang zur Klimabewegung: "Bei der Vulkangruppe handelt es sich um eine linksextreme Gruppe, die sich dem Kampf für Klimaschutz verschrieben hat", so Neumann gegenüber "Heute".
Der "Terminus Klimaschutz" passe, weil dies das "Ziel" der Gruppe sei. Die "Vulkangruppe"-Aktivisten wählen nur - und das für Neumann ist der Unterschied zu den friedlichen Klimaschützern - "militante, gewaltvolle Mittel". Man dürfe die "Vulkangruppe"-Kämpfer aber keinesfalls nur als "radikale Klimaschützer" bezeichnen - dies würde den jüngsten Angriff verharmlosen.
Auch das Innenministerium in Wien ist im Bilde: "Extremistische Gruppierungen, die in Berlin für Anschläge auf das Stromnetz verantwortlich waren, sind in Österreich bislang nicht aktiv in Erscheinung getreten, sind aber sehr wohl bekannt und wurden im Verfassungsschutzbericht 2024 auch bereits namentlich genannt", heißt es zu "Heute".
Zur Erinnerung: Als Folge des Jänner-Brandanschlags, für die Brandstifter ein "Solidaritäts-Akt mit allen, die die Erde schützen", hatten 45.000 Berliner Haushalte und 2.200 Firmen im Südwesten Berlins bei eisigen Temperaturen tagelang keinen Strom. Die Stromausfälle wurden im Bekennerschreiben als unbeabsichtigte Kollateralschäden der gegen die "fossile Energiewirtschaft" gerichteten Aktion dargestellt.
Die "Vulkangruppe" (bzw. ihre Vorgänger-Gruppierung) verübte in Berlin bereits 2011 (Bahnhof Ostkreuz), 2018 (Charlottenburg), 2020 (Heinrich-Hertz-Institut) und 2025 (Clayallee Ecke Pücklerstraße) heimtückische Brandanschläge auf Stromleitungen.
Die Gruppe bekannte sich zudem zur Brandstiftung an einem Strommast der Tesla-Fabrik in Brandenburg im Jahr 2021. Bei einer ähnlichen Brandstiftung an einem Strommast kam es im März 2024 zur Evakuierung des Werksgeländes. Es ist zu befürchten: Der heurige Anschlag war wohl nicht der letzte der "Vulkangruppe".