Am Donnerstagabend beginnt die Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada. Vor dem Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika im legendären Aztekenstadion herrscht in Mexiko-Stadt jedoch nicht nur Vorfreude.
Nach tagelangen Protesten der radikalen Lehrergewerkschaft CNTE ist die Stimmung in der Hauptstadt angespannt. Um die Eröffnungsfeier und das Auftaktspiel abzusichern, planen die Behörden laut Berichten zudem Maßnahmen rund um das Stadion. Straßen sollen schrittweise gesperrt und Zugänge kontrolliert werden. Die vollständige Sperrung der Zufahrten soll bis zu acht Stunden vor dem Anpfiff in Kraft treten.
Für zusätzlichen Ärger sorgt jedoch ein anderes Thema. Teile der Bevölkerung werfen der Stadtregierung vor, für die zahlreichen WM-Touristen kosmetische Maßnahmen umzusetzen, während sich für die Bewohner der Hauptstadt nichts verbessere.
Im Zentrum der Kritik steht die neue Fahrradspur "Ciclovía La Gran Tenochtitlán" entlang der Calzada de Tlalpan. Die Straße ist die wichtigste Verbindung vom Stadtzentrum zum Aztekenstadion. Gleichzeitig befindet sich dort auch der Straßenstrich von Mexiko-Stadt.
Die neue Fahrradspur erschwert laut dem Bericht den Prostituierten ihre Arbeit, da Freier nicht mehr einfach am Straßenrand anhalten können. Zudem sollen einige Radfahrer die Frauen filmen. In den vergangenen Wochen kam es deshalb mehrfach zu Auseinandersetzungen. Videos in sozialen Netzwerken zeigen, wie Prostituierte Radfahrer stoppen und ihnen Mobiltelefone aus der Hand schlagen.
Menschenrechtsaktivisten sprechen gegenüber lokalen Medien sogar von einer "sozialen Säuberung" im Vorfeld des Turniers. Sie werfen den Behörden vor, Sexarbeiterinnen mit den Baumaßnahmen gezielt aus dem Umfeld des Stadions verdrängen zu wollen. Schätzungen zufolge leben in Mexiko-Stadt mehr als 15.000 Menschen von Sexarbeit.
Auch in Monterrey sorgt die WM für Diskussionen. Dort werden Armensiedlungen im Umfeld des Spielorts mit grünen Sichtschutznetzen, Betonwänden, Zäunen und Willkommensbannern für Fans und Mannschaften verdeckt. Die Bewohner der betroffenen Viertel reagieren laut Bericht verärgert.