Er tauchte gefühlt alle vier Jahre bei Weltmeisterschaften aus dem Nichts auf, ließ Neymar 2014 in Brasilien verzweifeln, führte Mexiko vier Jahre später zum Sieg gegen Deutschland und befindet sich in einer Statistik auf Augenhöhe mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo – jetzt bestreitet WM-Legende Guillermo Ochoa seine sechste und letzte Weltmeisterschaft.
Der mexikanische Torhüter ist längst eine Kultfigur und Internet-Mythos jeder WM. Während seiner Klubkarriere blieb Ochoa zwar der ganz große Durchbruch verwehrt. Auf der WM-Bühne wurde der Schlussmann dafür zur Legende – und schreibt nun, mit 40 Jahren, das letzte große Kapitel seiner Nationalteam-Karriere.
Unvergessen bleibt vor allem die WM 2014. In der Gruppenphase ließ er Superstar Neymar mit einigen Glanzparaden verzweifeln. Im Achtelfinale gegen die Niederlande hielt der Torhüter Mexiko lange im Spiel. Erst ein später Doppelschlag von Wesley Sneijder und Klaas-Jan Huntelaar zerstörte den Traum vom Viertelfinale. Auch Deutschland bekam Ochoas Klasse zu spüren. Beim sensationellen 1:0-Sieg Mexikos bei der WM 2018 feuerte die DFB-Elf 26 Schüsse ab – ohne Erfolg.
Dass Ochoa überhaupt noch einmal bei einer WM dabei ist, grenzt an ein kleines Wunder. Nach der WM 2022 in Katar schien seine Zeit als Nummer eins jedoch vorbei. Eine Schulterverletzung warf ihn zurück, Luis Angel Malagon übernahm dauerhaft den Stammplatz. Doch kurz vor der Heim-WM folgte die nächste Wende: Malagon riss sich die Achillessehne und plötzlich rückte Ochoa wieder ins Blickfeld des Nationalteams – und wurde nachnominiert.
Beim WM-Eröffnungsspiel gegen Südafrika dürfte Ochoa auf der Bank Platz nehmen. Raul Rangel gilt derzeit als Favorit für den Platz zwischen den Pfosten. In mexikanischen Medien wird dennoch über eine Überraschung spekuliert. Ochoa soll im Training starke Leistungen gezeigt haben und könnte kurzfristig doch noch zur Nummer eins werden.
Die Geschichte hätte dabei einen besonderen Reiz: Schon bei der WM 2010 lautete das Eröffnungsspiel Mexiko gegen Südafrika. Damals galt Ochoa als Favorit fürs Tor, wurde aber überraschend von Trainer Javier Aguirre übergangen. 16 Jahre später könnte sich der Kreis nun schließen. Ochoa selbst gibt sich gelassen. Der Routinier will jede Rolle akzeptieren – ob Stammspieler oder Mentor.
Seine spektakulären Paraden brachten ihm sogar den Ruf ein, mehr Finger als andere Menschen zu besitzen – eine mexikanische Zeitung scherzte einst, Ochoa habe sechs Finger an jeder Hand. Aus dem Gag wurde eine weltweite Legende. "In meinem Land haben alle darüber gelacht, doch dann hat es sich überall verbreitet", erinnerte sich Ochoa später.