Baby totgeschüttelt – hätte Tat verhindert werden können?

Ein Mann versucht, ein schreiendes Baby zu beruhigen. Symbolbild
Ein Mann versucht, ein schreiendes Baby zu beruhigen. SymbolbildGetty Images/iStockphoto/~UserGI15613517
Das Mädchen war erst zweieinhalb Monate alt als es am Wochenende in einem Wiener Spital verstarb. Der Vater hatte ihm schwere Verletzungen zugefügt.

Wie ein Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes bestätigte, ist am Samstagabend jenes zweieinhalb Monate alte Mädchen in einem Wiener Spital verstorben, dessen Vater (31) es am 4. Juni so heftig geschüttelt haben soll, dass es "massivste Verletzungen" erlitt.

Die Mutter (22) soll bei der brutalen Misshandlung zugesehen, aber nicht eingegriffen haben – "Heute" berichtete. Die Eltern wurden am 9. Juni durch Einheiten des Landeskriminalamts Wien und des Einsatzkommandos Wega festgenommen und gestanden nach anfänglichem Leugnen die Tat.

Nach diesem schockierenden Vorfall fragen sich alle: Hätte die Tat denn verhindert werden können?

Der ORF berichtet am heutigen Montag über die Hintergründe der Familie. Demnach seien die Eltern bereits wegen eines drohenden Rausschmisses aus der Wohnung während der Schwangerschaft in Kontakt mit der Kinder- und Jugendhilfe getreten. Dieser konnte zwar abgewendet werden, die Familie und die Magistratsabteilung 11 blieben aber in engem Kontakt. 

"Keine Hinweise auf akute Gefährdung"

"Wir machen auch Hausbesuche, das war in diesem Fall so. Bei dieser Familie hat es keine Hinweise auf so eine massive, akute Gefährdung gegeben. Sonst hätten wir Maßnahmen gesetzt", wir Andrea Friemel von der MA 11.

Demnach hätten sich die Eltern kooperativ verhalten, auch das Mädchen sei kein sogenanntes Schreibaby gewesen. Den letzten Kontakt hatten die Beamten am 31. Mai, nur wenige Tage vor dem tödlichen Vorfall.

Intern läuft nun eine Prüfung. "Bei so tragischen Vorfällen werden intern die Abläufe überprüft, es werden unterschiedliche Fachbereiche beigezogen und die Regionalleitung prüft auch."

Richtig mit Schreibabys umgehen

"Wenn Eltern ihr Kind im Arm halten und es schreit über Stunden lang, dann kommen eigentlich alle Eltern an ihre Grenzen", so Hannes Kolar, der Leiter des Psychologischen Dienstes (MA 11), weiter gegenüber dem ORF. "Es verändert uns, es bringt uns in einen Kampfmodus hinein. Der führt dazu, dass wir Wut und Aggression entwickeln gegen den Stressor – und das ist in diesem Fall das wehrlose Kind."

Nicht immer könne man Ruhe bewahren. In so einem Fall sei es wichtig, Abstand zu gewinnen: "Wenn Sie akut in sich spüren, dass Sie eine Art Kontrollverlust erleben könnten, also wirklich schon die Fantasie haben, dem Kind weh zu tun, dann wäre das erste, das Kind auf eine weiche Unterlage zu legen und zwei Meter Abstand zu nehmen. Das kann zu einer Deeskalation führen."

Zudem sollten gestresste Eltern Ohrenstöpsel verwenden und tief und ruhig durchatmen. Wenn einem Situation über den Kopf zu steigen droht, solle man erst die Familie und dann Profis zur Unterstützung holen.

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LiesingWien

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