Bäckerei klagt: "Wir suchen seit 4 Monaten Personal"

Alexandra und Stefan Szihn suchen Personal.
Alexandra und Stefan Szihn suchen Personal.Michael Baumgartner/KITO
130.000 Menschen sind in Wien derzeit ohne Arbeit. Eine Wiener Bäckerei findet dennoch seit Monaten kein Personal.

Durch die Pandemie haben viele Menschen ihren Job verloren. In einigen Branchen wird nun wieder händeringend nach Personal gesucht – jedoch vergeblich. Neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen braucht auch Alexandra Szihn, die Bäckereien in Wien und Niederösterreich betreibt. "Wir haben im Verkauf vier Stellen offen, die wir wirklich dringend besetzen wollen", so Szihn im Gespräch mit "Heute". Auch in der Produktion wird gesucht. Bewerbungen gab es bisher jedoch so gut wie keine. 

Warum sich fast niemand für die ausgeschriebenen Stellen interessiert, kann sich Szihn nicht wirklich erklären. "Wir haben von manchen die Rückmeldung bekommen, dass der Arbeitsweg zu weit wäre. Aber ich kann es nicht genau sagen." Während es in manchen Betrieben bei der Entlohnung hakt, zahlt Szihn ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nach dem Kollektivvertrag. "Wir haben während der Pandemie keine Mitarbeiter gekündigt, sondern versucht, diese zu halten. Wenn gute Arbeit geleistet wird, zahlen wir sogar über den Kollektivvertrag." Für die gesuchten "Verkaufstalente" werden auf der Webseite der Bäckerei derzeit "1.572 € zuzüglich gesetzlicher Zulagen lt. KV PLUS Überstundenauszahlung und Zulagen für Sonn- und Feiertage" geboten.

Arbeitszeiten und Bezahlung als Problemfaktor

Die Schwierigkeit, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden, ist dem Arbeitsmarktservice bekannt. "Der Grund liegt zu einem großen Teil an den schwierigen und nicht gerade familienfreundlichen Arbeitszeiten: In einer Bäckerei beginnt auch der Tag einer Verkaufsmitarbeiterin viel früher als der der meisten anderen Beschäftigten im Verkauf, meist um 5 Uhr Früh, dazu kommt noch wechselweise Dienst am Wochenende", erklärt Sebastian Paulick vom AMS Wien gegenüber "Heute". "Wir sind aber mit den Arbeitgebern in dieser Branche in enger Zusammenarbeit und unterstützen sie bei der Personalsuche intensiv, beispielsweise durch Vorauswahlen und Förderungen."

"Viele wurden gekündigt, oder haben sich beruflich umorientiert, weil die Jobs durch die Pandemie immer unsicherer wurden." - Gastronom Bernd Schlacher

Besonders spürbar ist der Personalmangel derzeit auch in der Gastronomie. "Bereits vor der Pandemie hat es einen Mangel gegeben", erzählt Top-Gastronom Bernd Schlacher. Durch das Virus hat sich die Situation rapide verschlechtert. "Viele wurden gekündigt, oder haben sich beruflich umorientiert, weil die Jobs durch die Pandemie immer unsicherer wurden." Schlacher selbst musste keine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gehen lassen. "Bei uns haben sich einige beworben, die in ihren Betrieben gekündigt wurden. Die sind dann zu uns gekommen." 

Auch für die kommenden Monate sieht Schlacher keine Verbesserung. "In der Gastro muss man an Wochenenden und Feiertagen arbeiten. Auch die Bezahlung spielt eine Rolle. Im Herbst werden die Hotels wieder voll anfahren, da wird der Mangel noch stärker werden."

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