Wissenschafter haben mit einer speziellen Technik ins Innere von Bakterien geblickt – und dabei Erstaunliches entdeckt. Die winzigen Maschinen, die Proteine herstellen, transportieren und falten, sind viel enger miteinander verbunden als bisher angenommen.
Das Forschungsteam am European Molecular Biology Laboratory (EMBL) nutzte die sogenannte Kryo-Elektronentomografie. Dabei werden Zellen schockgefroren und dann dreidimensional abgebildet. So bleiben die Strukturen in ihrem natürlichen Zustand erhalten.
Die Forscher haben das Bakterium Mycoplasma pneumoniae untersucht, wie scinexx berichtet. Dabei rekonstruierten sie 140 verschiedene Strukturkarten, die zeigen, wie Ribosomen – die Protein-Fabriken der Zelle – ihre Arbeit verrichten.
Besonders spannend: Das Team entdeckte eine bisher unbekannte kuppelförmige Struktur an der Zelloberfläche. Diese arbeitet mit einem Proteinkanal in der Membran zusammen und hilft offenbar dabei, neu hergestellte Proteine richtig zu falten.
"Die Zukunft liegt darin, molekulare Gemeinschaften zu untersuchen", erklärt Studienleiterin Julia Mahamid. Jahrzehntelang wurden einzelne Moleküle isoliert betrachtet – erst jetzt zeigt sich, wie sie zusammenarbeiten.
Die Ergebnisse könnten helfen, grundlegende biologische Prozesse besser zu verstehen. Denn einige der beobachteten Mechanismen scheinen evolutionär weit verbreitet zu sein.