"Ohne seine Frau wäre er tot"

Fleischfressende Bakterien! Österreicher verliert Bein

Nach einem harmlos wirkenden Fahrradsturz verlor ein Kärntner (71) ein Bein. Fleischfressende Bakterien hatten sich in seinem Körper ausgebreitet.
André Wilding
17.09.2026, 12:30
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Ein Fahrradsturz ohne sichtbare Verletzungen wurde für einen 71-jährigen Kärntner zum Kampf ums Überleben. Zunächst hatte der Pensionist weder einen Kratzer noch Schmerzen bemerkt. Doch in der folgenden Nacht änderte sich sein Zustand dramatisch – das berichtet die "Kleine Zeitung".

Am nächsten Morgen suchte er wegen Schmerzen das Krankenhaus Wolfsberg auf. Dort ging man zunächst von einer Prellung aus und wollte den Mann wieder nach Hause schicken. Nur 31 Stunden später lag er mit einer Sepsis auf der Intensivstation, wurde künstlich beatmet und musste sich einer Amputation des Beins bis zum Becken unterziehen.

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Ehefrau drängte auf weitere Untersuchung

Rechtsanwalt Paul Wolf erhebt in der "Kleinen Zeitung" schwere Vorwürfe: "Die Ärzte hätten früher die richtige Diagnose stellen und den Mann operieren müssen."

Eine entscheidende Rolle spielte laut Wolf die Ehefrau des Patienten, die selbst diplomierte Krankenschwester ist. Sie habe sich gegen eine Entlassung ausgesprochen und vor einem möglichen septischen Schock gewarnt.

"Doch die Gattin des Mannes – eine diplomierte Krankenschwester – protestierte dagegen und wies darauf hin, dass ihr Mann einen septischen Schock haben könnte. Sie verlangte, dass man bei dem Patienten ein Blutbild macht. Das wurde aber verweigert. Die Frau musste regelrecht betteln", meint Wolf gegenüber der Tageszeitung.

Der Patient habe zu diesem Zeitpunkt "Schüttelfrost, ein kollaptisches Geschehen und Kaltschweißigkeit" gezeigt. Seine Frau wandte sich laut dem Anwalt daraufhin selbst an die Abteilung für Innere Medizin, heißt es in dem Bericht.

"Nur weil die Gattin dort zufällig eine Krankenpflegerin kannte, schaffte sie es, dass ein Blutbild angefertigt wurde." Wolf geht in der "Kleinen Zeitung" sogar noch weiter: "Ohne seine Frau wäre der Mann tot."

Seltene Krankheit festgestellt

Sieben Stunden nach der Aufnahme wurde der Kärntner erstmals am Unterschenkel operiert. Doch auch am folgenden Tag litt er unter massiven Schmerzen. Schließlich wurde er ins Klinikum Klagenfurt gebracht, heißt es in dem Bericht.

Dort wurde eine nekrotisierende Fasziitis diagnostiziert. Die Kabeg erklärt die Erkrankung gegenüber der "Kleinen Zeitung" so: "Die nekrotisierende Fasziitis wird durch fleischfressende Bakterien ausgelöst, die das menschliche Gewebe innerhalb kürzester Zeit zerstören und sich rasant im Körper verbreiten."

Die Erkrankung verursache "über jegliches Maß hinausreichende Schmerzen" und sei extrem selten. Kabeg-Anwältin Florina Ozegovic betont in der "Kleinen Zeitung": "Für einen durchschnittlichen Facharzt für Unfallchirurgie ist eine nekrotisierende Fasziitis im Frühstadium nicht erkennbar".

Anwalt spricht von Verzögerungen

Für Wolf hätte dennoch früher gehandelt werden müssen. "Es hätte gleich ein Labor gemacht werden müssen, die erste Operation hätte früher erfolgen müssen", wird der Rechtsanwalt in der Tageszeitung zitiert.

Der Kärntner stürzte mit seinem Fahrrad – in der Nacht bekam er dann Schmerzen.
istock (Symbolbild)

Der Anwalt sieht die Verzögerungen als entscheidend für den weiteren Verlauf: "Wegen der Diagnose- und Handlungsverzögerung der behandelnden Ärzte kam es zu einem katastrophalen Heilungsverlauf. Mein Mandant war wegen eines Bagatelltraumas im Krankenhaus und in der Folge musste ihm der gesamte Oberschenkel bis zum Becken amputiert werden, er hat unzählige Operationen hinter sich."

Der 71-Jährige sei "regelrecht aus seinem sportlichen, gesunden Leben katapultiert worden".

Kabeg zahlte Entschädigung

Wolf klagte im Vorjahr gegen die Kabeg am Landesgericht Klagenfurt. Zunächst verlangte die Kabeg eine Abweisung der Klage. Nach der Einholung eines Gutachtens wurde der Fall jedoch außergerichtlich gelöst. Die Kabeg zahlte dem Betroffenen eine hohe Entschädigung. Damit kann er unter anderem sein Haus behindertengerecht umbauen und ein barrierefreies Auto finanzieren, heißt es in dem Bericht.

Die Kabeg-Anwältin bestätigt in der "Kleinen Zeitung", dass der Mann wegen starker Schmerzen im Unterschenkel ins LKH Wolfsberg gekommen war. "Weil Labor und Röntgenuntersuchungen unauffällig waren, war es angedacht, den Kläger wieder zu entlassen."

Wegen seiner starken Schmerzen kam er allerdings auf die Innere Medizin. Sieben Stunden nach der Aufnahme wurde er erstmals operiert und dabei auch ein Gewebeabstrich entnommen.

Amputation 31 Stunden nach Erstkontakt

Am folgenden Tag erfolgte die Verlegung ins Klinikum. Dort wurde die nekrotisierende Fasziitis festgestellt. 31 Stunden nach dem ersten Kontakt im Wolfsberger Krankenhaus wurde der Oberschenkel amputiert.

"Die nekrotisierende Fasziitis kann schon nach wenigen Stunden so stark sein, dass sie zu Sepsis, Multiorganversagen und zum Tod führen kann", erklärt Ozegovic gegenüber der Tageszeitung. Im Nachhinein steht laut der Anwältin fest: "Es lag von Anfang an eine nekrotisierende Fasziitis vor, die offensichtlich durch den Fahrradsturz ausgelöst wurde".

Auch das Gutachten stellte demnach eine Verzögerung fest. "Laut Gutachter wurde die Verdachtsdiagnose verzögert gestellt, der Kläger hätte zu einem früheren Zeitpunkt ins Klinikum überstellt werden können. Durch die verspätete Überstellung konnte die Oberschenkelamputation nicht mehr verhindert werden", heißt es in dem Bericht.

Selbst bei einer früheren Verlegung wäre laut Sachverständigem keine vollständige Heilung möglich gewesen. "Bei einer frühzeitigen Diagnose hätte die Amputation unter Umständen aber in geringerem Ausmaß erfolgen können."

wil,17.09.2026, 12:30