Bald droht Corona-bedingte Insolvenz-Welle

Im ersten Quartal 2021 gab es deutlich weniger Insolvenz-Fälle als letztes Jahr. Allerdings seien die Insolvenzen nur "aufgeschoben", warnen Experten. (Symbolbild)
Im ersten Quartal 2021 gab es deutlich weniger Insolvenz-Fälle als letztes Jahr. Allerdings seien die Insolvenzen nur "aufgeschoben", warnen Experten. (Symbolbild)Frank Hoermann / dpa Picture Alliance / picturedesk.com
Im ersten Quartal 2021 gab es deutlich weniger Insolvenz-Fälle als letztes Jahr. Allerdings seien die Insolvenzen nur "aufgeschoben", warnen Experten.

Anders als wohl von vielen erwartet, meldet die Statistik Austria im heurigen ersten Quartal weniger Insolvenzen als im gleichen Zeitraum vergangenen Jahres. Konkret handelt es sich um nur 484 registrierte Insolvenzen, sprich 57 Prozent weniger als letztes Jahr. Da waren es im ersten Quartal nämlich noch 1.118 Fälle zwischen Jänner und März 2020.

Im Gesamtjahr 2020 war die Zahl der Insolvenzen aber ebenso um 39 Prozent auf 3.001 gesunken. Zu vermuten sei jedoch, dass durch die Corona-Wirtschaftshilfen allerdings viele Insolvenzen nur aufgeschoben wurden, so die Warnung der Experten am Montag.

 Der Anstieg der Konkurse werde "im Herbst langsam beginnen", in den Folgejahren 2022 und 2023 werde sich der Anstieg dann fortsetzen.

Der Grund für die heurige Dämpfung der Insolvenzlage sei die Verlängerung der Steuerstundungen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende Juni. Dies hatte der Gläubigerschutzverband KSV1870 Ende April erklärt.

Dienstleister mit stärkstem Rückgang

Laut der Auswertung der Statistik Austria war der Rückgang bei den Konkursen im ersten Quartal im Bereich Persönliche Dienstleistungen besonders stark – mit 74 Prozent auf 30 Fälle. Danach folgt die Information und Kommunikation mit 71 Prozent Minus auf 13 Insolvenzen. Im Bereich der Beherbergungund Gastronomie gab es mit 54 Insolvenzen um 69 Prozent weniger Fälle der Zahlungsunfähigkeit. In der Sachgütererzeugung wurde ein Rückgang von 67 Prozent auf 24 Insolvenzen verzeichnet.

 Am schwächsten gesunken ist die Zahl der Insolvenzen mit 27 Prozent auf 134 im Sektor Bau.

Der Statistik-Austria-Chef Tobias Thomas führt den starken Rückgang der Konkurse im ersten Quartal 2021 auf die seit 1. März 2020 ausgesetzte Insolvenzantragspflicht bei einer Überschuldung zurück.

Konkurse verschoben

Dass zahlreiche Insolvenzen lediglich verschoben wurden, betone am Montag auch Dun & Bradstreet Österreich. Demnach bedeute der starke Rückgang nicht, dass es der Wirtschaft gut gehe. Das Minus sei Folge der Milliarden, die der Staat in die Wirtschaft gepumpt habe, heißt es.

➤ Viele Konkurse würden damit nur in die Zukunft verschoben, aber nicht aufgehoben. Insbesondere betreffe dies die sogenannten "Zombie"-Unternehmen, die bei normalem Geschäftsverlauf schon aufgeben hätten müssen. Aufgrund der Zuschüsse und Sonderregelungen würden aber auch diese weiter künstlich am Leben erhalten, hieß es bei Bisnode D&B Austria laut APA.

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