Nach Gold-Betrug

Balkan-Brüder flüchten bei Auslieferung nach Österreich

Im Jänner nahmen Beamte nach einem Gold-Coup in Höhe von 300.000 Euro drei von vier Tatverdächtige fest. Zwei davon flohen nun bei der Auslieferung.
Community Heute
22.03.2026, 17:11
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ein spektakulärer Rip-Deal, der sich quer durch Europa zog, beschäftigt die Wiener Polizei erneut, obwohl die Täter bereits ausgeforscht und festgenommen worden waren: Wie bereits berichtet, gelang Ermittlern der "Rip-Deal Unit Vienna" (LKA Wien, Außenstelle Zentrum-Ost) ein schneller Fahndungserfolg, drei von vier Tatverdächtigen wurden gefasst. Doch jetzt sind zwei Verdächtige – ein Brüderpaar mit italienischer Staatsbürgerschaft – wieder verschwunden.

15 Goldbarren weg! Deal entpuppte sich als dreister Betrug

Am 6. November 2025 sollen vier Täter ein österreichisches Brüderpaar in eine perfide Falle gelockt haben. Die Ganoven gaben sich mit angeberischem Auftreten als internationale Geschäftsleute aus und gaben vor, drei Kilogramm Gold im Wert von über 300.000 Euro kaufen zu wollen.

Was sind Rip-Deals?

Delikte dieser Art werden nahezu ausschließlich von Familienclans der Westbalkanregion angewandt, welche sich gegenüber den Opfern als reiche Geschäftsleute oder Investoren präsentieren.

Bei einem Rip-Deal wird dem Opfer vorgegaukelt, man sei am Erwerb hochpreisiger Gegenstände interessiert, die es zuvor im Internet inseriert hat. Dabei handelt es sich um klassische Luxusgüter – angefangen von der goldenen Rolex, bis hin zu hochpreisigen Fahrzeugen, Immobilien, Kryptowährungen und Yachten. Aber nicht nur Gegenstände, auch vermeintliche Geschäfte miteinander sollen die Opfer anlocken.

Die Tätergruppe agiert immer gleich: Die Opfer werden zu teuren Auslandsreisen eingeladen und dabei hofiert. Am Flughafen stehen in der Regel Luxusfahrzeuge inklusive Chauffeur bereit. Anschließend werfen die Täter mit dem Geld um sich, um das Vertrauen zu gewinnen.

Die Übergabe der insgesamt 15 Goldbarren fand in einem Hotel in der Wiener Innenstadt statt. Zeitgleich sollte in Mailand das Geld für den Deal in bar übergeben werden. Doch dort schlugen die Betrüger zu: Echte Scheine wurden kurz vor der Übergabe gegen Falschgeld ausgetauscht.

Brüdern gelang spektakuläre Flucht

Am 12. Jänner 2026 klickten für zwei Brüder (Luca und Giacomo Dragutinovic, 29 und 32 Jahre alt, beide italienische Staatsbürger) in der Nähe von Turin die Handschellen. Doch der Fall nahm eine überraschende Wendung: Trotz europäischen Haftbefehls wurden die Männer in Italien in einen nicht überwachten Hausarrest entlassen. Als das oberste italienische Gericht schließlich die Auslieferung nach Österreich bestätigte und die Polizei erneut in der Wohnung der Verdächtigen zugriff, passierte das Unglaubliche: Den Brüdern gelang die Flucht!

Großfahndung läuft

Seitdem fehlt von Luca und Giacomo Dragutinovic jede Spur. Ihr aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt, eine internationale Fahndung läuft auf Hochtouren. Jetzt geht die Polizei an die Öffentlichkeit und veröffentlicht Fotos der beiden Männer.

"Rip-Deal Unit Vienna":

Seit dem Jahr 2020 leistet die "Rip-Deal Unit Vienna" der Außenstelle Zentrum-Ost des Landeskriminalamts Wien einen unverzichtbaren Beitrag zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität – sowohl national als auch international. Die Sonderermittlungsgruppe gilt mit einer Aufklärungsquote von 80 Prozent als europaweit führend und unterstützt mit ihrer Expertise regelmäßig andere Ermittlungsgruppen im In- und Ausland.

In den vergangenen sechs Jahren hat die "Rip-Deal Unit Vienna" alleine in Österreich in über 113 Fällen ermittelt und im Zuge der Assistenzleistung für ausländische Dienststellen über 147 Fälle geklärt und rund 205 Täter ausgeforscht. Im Zuge der Analyse von über 1100 Fällen weltweit konnten die Ermittler der "Rip-Deal Unit Vienna" zudem verschiedene neue Modi Operandi entdecken und so zahlreiche Rip-Deals verhindern und vielen Opfern ihre Vermögenssicherung bzw. –wiederausfolgung ermöglichen.

Wer Angaben zum Aufenthaltsort der gesuchten Brüder machen kann, wird gebeten, sich – auch anonym – beim Landeskriminalamt Wien, Außenstelle Zentrum-Ost, Rip-Deal Unit Vienna, zu melden: 01 31310 62510. Hinweise werden streng vertraulich behandelt.

{title && {title} } red, {title && {title} } 22.03.2026, 17:11
Jetzt E-Paper lesen