Es war jahrelang ein Kampf David gegen Goliath – am Schluss hat Elaine Silverberg aus Queens in New York das ungleiche Duell gegen den US-amerikanischen Bankriesen JPMorgan verloren. Doch das Leben hielt für die 73-Jährige eine riesige Überraschung bereit: Zwei Fremde zeigten sich von ihrer Geschichte so berührt, dass sie ihr nun einen Scheck über die Summe ausstellten, die die Bank eigentlich an Elaine hätte auszahlen müssen.
Die Witwe ist seit 13 Jahren in einen Streit verwickelt, um das Geld vom größten Kreditgeber der USA zurückzubekommen, der die Auszahlung jedoch aufgrund eines angeblichen Fehlers ihres verstorbenen Mannes verweigerte. Mel Silverberg hatte zehn Jahre lang als Systemanalytiker bei der Chase Manhattan Bank gearbeitet, 1988 starb er im Alter von 43 Jahren unerwartet an multiplem Organversagen. Chase Manhattan fusionierte im Jahr 2000 mit JPMorgan.
Die Bank, die im letzten Quartal einen Gewinn von 12,9 Milliarden Dollar meldete, gibt bis heute zu, dass Mel zu Lebzeiten eine Altersvorsorge abgeschlossen hatte und dass eigentlich ein Recht auf eine Betriebsrente besteht, aber der Ehemann habe es damals versäumt, noch ein Formular auszufüllen, das Elaine nach seinem Tod als Begünstigte der Rente auswies.
Als Roy Messer, ein Krankenversicherungsberater aus Charlotte in North Carolina, und sein Geschäftspartner Bill Rice von Elaines Schicksal erfuhren, waren sie entsetzt. Vor allem, als sie den Betrag hörten, denn Elaine fordert 53.000 Dollar. Messer und Rice schüttelten ihre Köpfe über "die Geizhals-Politik" der von Bankier Jamie Dimon geführten JPMorgan. Die beiden 57 Jahre alten Männer beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.
"Ich konnte nicht glauben, dass sie bei einem solchen kleinen Betrag nicht das Richtige tun wollten. Es besteht kein Zweifel, dass ihr Mann gewollt hätte, dass das Geld an sie und seine Kinder geht", meint Rice gegenüber der "New York Post".
"Ich stelle mir vor, dass das für Jamie Dimon wie ein Fünf-Cent-Stück ist, das ihm aus der Tasche fällt. Ich möchte glauben, dass er einfach nichts von Elaines Fall weiß", fügt Messer hinzu. Er kenne die Frau aus Queens nicht, betont er. "Ich hätte bei dieser Geschichte ganz einfach wegschauen können. Aber es hat mich so gepackt, ich habe gedacht: 'Was, wenn das meine Mutter wäre?'"
Silverberg ist beeindruckt von der Geste der beiden Fremden. Dies hat "meinen Glauben an die Menschheit wiederhergestellt", sagt sie. "In dieser verrückten Welt, in der wir leben, ist es bemerkenswert, dass es auch solche Freundlichkeit gibt. Ich bin überwältigt über ihre extreme Großzügigkeit", so die 73-Jährige.