"Massage-Gate" in Nationalbank

Banker bekamen 30 Minuten: Masseurin hatte Dauerzutritt

Montags wurde in der Oesterreichischen Nationalbank massiert – heimlich und seit Jahren. Nun flog der Massageservice auf, die Führung reagiert empört.
André Wilding
27.05.2025, 14:09
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Jeden Montag dasselbe Bild in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB): Zwischen 9 und 13 Uhr tauchte eine Masseurin aus Wien-Hernals auf, stellte ihren Massagetisch im Nebengebäude auf und brachte gestresste IT-ler und Techniker wieder auf Vordermann – offenbar seit Jahrzehnten. Darüber berichtet am Dienstag die Tageszeitung "Der Standard".

Sekretärin verschickte Terminliste

Was wie ein gut gemeintes Gesundheitsangebot klingt, war in Wahrheit ein informeller, nicht genehmigter Massageservice direkt im Haus. Zwei mittlerweile verstorbene Führungskräfte aus der Technik sollen die Praxis einst eingeführt haben – als Ausgleich für Mitarbeiter, die täglich stundenlang vor dem Bildschirm sitzen.

Die Organisation funktionierte laut der Tageszeitung wie geschmiert: Eine Sekretärin verschickte wöchentlich die Terminliste, trug die halbstündigen Sitzungen ein, und wer dabei war, wusste: Montag ist Massage-Tag. Zwischen 50 und 70 Beschäftigte sollen zum festen Kreis gehört haben. Die Teilnahme galt als offenes Geheimnis – gestempelt wurde angeblich korrekt, die Leistungen privat bezahlt.

Ungehinderter Zugang

Doch das blieb nicht unbemerkt: Eine Meldung aus dem offiziellen Gesundheitszentrum der Bank brachte die Sache ins Rollen. Die Personalabteilung erfuhr durch Zufall von den inoffiziellen Behandlungen und leitete eine interne Untersuchung ein. Die Recherchen führten zur Aufdeckung der Massagelisten, zur Überprüfung der Arbeitszeitaufzeichnungen – und zur Einbindung des Betriebsrats.

Besonders pikant: Die Masseurin soll laut "Standard" eine Dauerzutrittskarte gehabt haben und konnte sich so offenbar ungehindert Zugang verschaffen, ohne durch die offizielle Kontrollschleuse zu müssen. Ein Detail, das bei der Führungsebene für zusätzliche Irritation sorgte.

Verwarnung, aber keine Kündigung

Auch wenn die meisten Beteiligten alles korrekt abgewickelt haben sollen, wurde bei einem Mitarbeiter eine Unstimmigkeit festgestellt – konkret: zu viel eingetragene Arbeitszeit trotz Massage. Die Folge war eine Verwarnung, aber keine Kündigung.

Der große Knall folgte vergangene Woche: Sechs Führungskräfte wurden vom Direktorium zur Rede gestellt. Der interne Ärger war groß – auch wenn beim darauffolgenden Betriebsratsfest schon wieder gelacht wurde. Dort sprach man bereits süffisant vom "Massage-Gate". Das Direktorium soll das allerdings weniger amüsant gefunden haben.

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