Burgenland

"Baum oder Essen" – so bedrückend ist Teuerung wirklich

Burgenlands Landtags-Präsidentin Verena Dunst im "Heute"-Talk: Als Volkshilfe-Präsidentin erzählt sie von traurigen Schicksalen in der Weihnachtszeit.

SPÖ-Urgestein Verena Dunst, langjährige Präsidentin der Volkshilfe Burgenland
SPÖ-Urgestein Verena Dunst, langjährige Präsidentin der Volkshilfe Burgenland
Helmut Graf

Verena Dunst (64), Landtagspräsidentin und ehrenamtliche Präsidentin der Volkshilfe Burgenland in Personalunion, erzählt im vorweihnachtlichen "Heute"-Talk von schlimmen Schicksalen – und wie sie in ihrer Funktion bei der Volkshilfe versucht, sozial bedürftigen Menschen auch in der Weihnachtszeit unter die Arme zu greifen. 

Die ehemalige Nationalratsabgeordnete (1994-1999) und SPÖ-Politikerin hat bereits seit über 20 Jahren die Präsidentschaft der burgenländischen Volkshilfe inne. Sie hat viel gesehen und kann die aktuelle Situation mit Krieg und Teuerung daher gut einordnen. Sie spricht von einem "Wahnsinn" und "schwierigen Zeiten".

Video: Verena Dunst im Interview

In ihrer Rolle als Landespolitikerin habe sie versucht, den Menschen im Burgenland durch Begleitgesetze zur Teuerung "Weihnachten und das Bezahlen der Miete" zu ermöglichen. Angesprochen auf ihrer Rolle bei der Volkshilfe berichtet sie von schlimmen Schicksalen. Immer öfter heiße es: "Wie soll ich meinen Kühlschrank füllen?"

Christbaum oder Essen

Sie sei aktuell "doppelt gefordert" und arbeite "seit drei Wochen durch". Seit Jahren sei die Volkshilfe viel beschäftigt, doch so so schlimm wie aktuell sei es nie gewesen. Immer mehr Menschen würden resigniert feststellen: "Jetzt geht gar nichts mehr". Viele müssten sich sogar entscheiden, ob sie lieber einen Christbaum aufstellen oder sich am Christtag noch etwas zu Essen leisten können. 

Besonders nah ging ihr der Fall einer Mindest-Pensionistin, die ihrem Enkel ein Weihnachtsgeschenk kaufen wollte. Wegen der Teuerung braucht sie ihr knappes Geld für andere Dinge und musste sich schweren Herzens an die Volkshilfe wenden. Ein Spender ermöglichte es der Dame dann, ihrem Enkel das gewünschte Geschenk unter den Baum zu legen. 

Neben Geldspenden, Christbäumen und Baumschmuck stelle sie dieses Jahr zu Weihnachten gemeinsam mit dem Geschäftsführer der Volkshilfe 440 "Packerln" zu. Auch die Rolle der Sozialmärkte sei nicht zu vernachlässigen: So biete man dort unter anderem Lebensmittel zu Spottpreisen an. 

Verena Dunst im <em>"Heute"</em>-Talk
Verena Dunst im "Heute"-Talk
Helmut Graf

Kritik an Regierung

Die Langzeitpolitikerin spart in diesem Zusammenhang nicht mit Kritik an der Vorgehensweise der Bundesregierung. Am meisten bedauere sie, wie es Beziehern von Mindestpensionen und Kindern gehe, die sich Grundlegendes nicht leisten können. Sie meint dazu: "Die Bundesregierung hat da einfach nichts getan".

Ganz im Stile einer Sozialdemokratin hätte sie sich stärkere Eingriffe in den Markt gewünscht. Neben einem Tankpreisdeckel und einem Mietpreisdeckel brauche es längst einen Lebensmittelpreisdeckel. Dass Grundnahrungsmittel wie Butter um 40 Prozent teurer würden, sei unmöglich. Die Gelder der Bundesregierung würden irgendwo landen, "aber nicht bei den Menschen".

Flächendeckende Sozialmärkte

Bis auf einen Bezirk gäbe es mittlerweile überall im Burgenland die beliebten und wichtigen Sozialmärkte. Im ländlichen Burgenland habe man jedoch die Schwierigkeit, dass die Menschen, im Gegensatz zu Wien, weniger anonym leben. Deswegen sei es für viele anfangs mit Scham verbunden, Sozialmärkte aufzusuchen.

Dennoch hat man das Netz ausgebaut und bald soll es auch in Oberpullendorf einen Sozialmarkt geben, so Dunst.

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    Hans Peter Doskozil wurde im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 einer großen Öffentlichkeit bekannt. Hier im Bild: Der damalige Polizeidirektor mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
    Hans Peter Doskozil wurde im Rahmen der Flüchtlingskrise 2015 einer großen Öffentlichkeit bekannt. Hier im Bild: Der damalige Polizeidirektor mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner.
    Screenshot ORF