Beauty-Königin Tamina stirbt wegen Müllsündern

Da war sie noch in Topform: Tamina mit Pascal Leuenberger (17), Beat Leuenbergers Sohn.
Da war sie noch in Topform: Tamina mit Pascal Leuenberger (17), Beat Leuenbergers Sohn.Bild: 20 Minuten
Die schönste Kuh Konolfingens starb wohl infolge Litterings. Der Schweizer Bauernverband warnt vor den Gefahren des Abfalls für die Tiere.
In Konolfingen (Kanton Bern) wurden vor einigen Tagen die schönsten Kühe der Gemeinde gekürt. Den ersten Platz unter den 70 Teilnehmerinnen holte sich das zirka vierjährige Red-Holstein-Rind Tamina. Doch für Züchter Beat Leuenberger hat dieses Ereignis einen bitteren Beigeschmack: Sein Prachtvieh war zum Zeitpunkt der Auszeichnung schon seit rund einem halben Jahr tot, wie das Newsportal Bern-Ost kürzlich berichtete. Dass sie dennoch zur Wahl stand, lag daran, dass die Viehschau bereits im Herbst 2018 ausgetragen worden war.

Mit Taminas Gesundheit sei es letzten Frühling schleichend bergab gegangen, sagt Leuenberger zum Nachrichtenportal "20 Minuten". "Sie war ständig aufgegast und hatte keinen Appetit mehr." Der Landwirt brachte die Geplagte ins Tierspital, wo ein fußballgroßer Abszess in der Bauchhöhle diagnostiziert wurde. "Die Tierärzte meinten, das Geschwür sei wahrscheinlich durch einen Fremdkörper im Verdauungstrakt verursacht worden", sagt Leuenberger.

"Meine schönste und liebste Kuh"

Der 47-Jährige geht von einem Stück einer Aludose oder Pet-Flasche aus. Einen Nagel schließt er dagegen aus; vorsorglich rüstet er jedes seiner Kälber mit einem Magenmagnet aus, das Gegenstände aus Eisen bindet und die Tiere vor inneren Verletzungen schützt. Gegen Alu, Plastik oder Glas hilft ein Magnet freilich nicht.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Weil Tamina hochträchtig war, wollte Leuenberger das Risiko einer Operation nicht eingehen. Das Kalb kam schließlich gesund zur Welt. Die Mutter aber musste im Mai notgeschlachtet werden. Für Leuenberger ein herber Verlust: "Sie war meine schönste und liebste Kuh."

Splitter sorgen für Verletzungen

Der Schweizerische Bauernverband warnt seit Jahren mit einer Kampagne vor den Gefahren des Litterings für die Tiere. Laut Hans Jörg Rüegsegger, Präsident der Berner Sektion, hat zwar die Abfallmenge auf Wiesen und Weiden in den letzten Jahren nicht zugenommen. Verändert habe sich aber die Qualität: "Während früher vor allem Plastiksackerl das Problem waren, sind es heute vermehrt Aludosen." Geraten diese ins Mähwerk, zersplittern sie in Hunderte kleiner Teile. "Die Gefahr ist dann groß, dass sich die Kuh beim Weidegang im Sommer oder dem konservierten Futter für den Winter verletzt", so Rüegsegger.

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Von den rund 10.000 Landwirtschaftsbetrieben im Kanton seien zwar die allermeisten von der Littering-Problematik wenig betroffen, sagt der oberste Berner Bauer. Einige Dutzend Landwirte, deren Grasflächen an viel befahrene Straßen grenzen, würden allerdings stark darunter leiden. "Dort findet Littering regelmäßig und zum Teil in einem Ausmaß statt, das an ein Fußballspiel erinnert."

Tierspital: Wenig Erkrankungen durch Littering

In der Nutztierklinik der Universität Bern werden jährlich zwischen 40 und 50 Kühen mit Fremdkörper-Erkrankungen behandelt. Littering sei zwar ein großes Problem, sagt Leiter Adrian Steiner. Allerdings verzeichne die Klinik wenig Verletzungen bei Kühen, die durch Zivilisationsmüll verursacht wurden; derartige Fälle würden lediglich einen Anteil von 10 bis 20 Prozent ausmachen. "Viel häufiger sind es Nägel, Drahtreste oder Schrauben, die wir als Ursache für Fremdkörper-Erkrankungen sehen", sagt Steiner.

Das ändere jedoch nichts daran, dass auch Aludosen in zerkleinerten Stücken für die Wiederkäuer gefährlich seien. Sie könnten zu Verletzungen in Maul, Rachen und Speiseröhre führen, sagt der Veterinärmediziner. Seltener werde hingegen der Magen in Mitleidenschaft gezogen. "Ein verhorntes Epithel verhindert in aller Regel, dass die Magenwand vor den eher weicheren Alu-Teilchen beschädigt wird", erklärt Steiner. Gegen Eisen oder Stahl kommt das Epithel nicht an.

Wie groß der effektive Anteil der Fremdkörper-Erkrankungen ist, die auf Littering zurückzuführen sind, bleibt letztlich offen. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. Denn viele Fälle werden über den Bestandestierarzt abgewickelt, nur ein Bruchteil wird im Tierspital untersucht. Das liegt vor allem an den Kosten für Untersuchung und Operation, welche die Landwirte selber tragen müssen. "Was für ein Fremdkörper genau für die Erkrankung verantwortlich ist, können wir jedoch erst mit Sicherheit sagen, wenn wir das Tier aufgeschnitten haben", sagt Steiner.

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