Beginnt alles neu? Gefährliche Corona-Art in Österreich

Neue Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus
Neue Hoffnung im Kampf gegen das Coronaviruspicturedesk.com
Neue Sorgen: In Österreich breitet sich eine neue, noch aggressivere Virus-Mutation aus. Die gefährliche Variante könnte auch Impfungen unterwandern.

Schon seit mehreren Wochen ist in Tirol eine beunruhigende Entwicklung zu beobachten. Immer mehr Covid-19-Infektionen weisen neben den Charakteristika der E484K-Mutation auch die Merkmale der "Briten-Mutation" B 117 auf. Wie die APA berichtet, dürften bislang 1.800 Personen von dieser neuen Virus-Variante angefallen worden sein, davon seien rund 800 Fälle aktiv. 350 Fälle sind bestätigt, beim Rest legen erste PCR-Tests den Verdacht nahe. 

Bei der E484K-Mutation wird eine Änderung der Spike-Domäne, die das Coronavirus zum Eindringen in die menschliche Zelle nützt, festgestellt. Diese Weiterentwicklung des Virus ist bereits bei der südafrikanischen Mutation (B 1.351) und bei der brasilianischen Variante (P.1) festgestellt worden. Experten sprechen von einer "Fluchtmutation". 

"Erhöhte Infektiosität"

"Das heißt, dass Viren mit dieser Mutation unter Umständen schlechter von Impfseren neutralisiert werden und auch leichter zu Reinfektionen führen", so der Virologe Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zur APA. Die Folge: "Eine erhöhte Infektiosität und deutlich schwerere Krankheitsverläufe", als bei der "reinen" Briten-Mutante B 117. 

Allein in der Vorwoche könnten mit 600 Fällen schon rund die Hälfte aller Fälle in Tirol auf die Super-Mutante zurückzuführen sein. Insgesamt könnten sich mindestens 1.800 Personen mit dieser neuen Virus-Variante infiziert haben. Allerdings müssen in zahlreichen Fällen noch Sequenzierungen vorgenommen werden.

Die "gute" Nachricht: Außerhalb Tirols wurde die Mutation B 117 + E484K erst sechs Mal nachgewiesen. Daher liegt ein besonderer Forschungsschwerpunkt nun in Tirol. Besonders interessant ist, ob solche Fälle im (fast vollständig) durchgeimpften Bezirk Schwaz auftreten und wie sich die Verläufe darstellen. Einiges spricht dafür, dass die Variante tatsächlich in Österreich entstanden ist. Spezielle Maßnahmen für Tirol empfiehlt der Experte Andreas Bergthaler nicht. Man müsse aber das Varianten-Überwachungssystem weiter ausbauen. 

"Wir brauchen einen Automatismus, um gleich, wenn so etwas passiert, Konsequenzen zu ziehen, solange es noch nicht schmerzt" – Ulrich Elling vom IMBA

Entwicklungen in Tirol sind "auch Pech"

Kritik kommt von Ulrich Elling vom Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA). Im Endeffekt wisse man seit Wochen, dass sich regional etwas tut. Eine Osterruhe wie im Osten gab es in Tirol nicht. Die Folge: die Virus-Variante hat sich mittlerweile im gesamten Bundesland ausgebreitet. Elling erklärt: "Mit einem Impfriegel oder ähnlichem innerhalb von Tirol ist es vorbei". 

B 117 + E484K soll noch einmal ansteckender sein als die ohnehin schon deutlich infektiösere Briten-Mutation B 117. Elling will Tirol allerdings nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Denn dass sich alles wieder in Tirol abspiele sei "einerseits Pech". Er vermutet die geografische Lage und die hohe regionale Mobilität als begünstigende Faktoren. Auch die recht hohe Durchseuchungsrate könne neue Varianten begünstigen, so der Forscher. Allerdings: Sein dringender Appell: "Wir brauchen einen Automatismus, um gleich, wenn so etwas passiert, Konsequenzen zu ziehen, solange es noch nicht schmerzt", könnte dieses Mal zu spät kommen. 

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