Gesundheit

Behinderte diskriminiert – Uber muss Millionen zahlen

Wer länger als zwei Minuten zum Einsteigen braucht, zahlt extra – ob behindert oder nicht. Diese Diskriminierung kommt Uber jetzt teuer.

Sabine Primes
Im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs zahlt der Fahrtendienstleister jetzt freiwillig Millionen an Betroffene.
Im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs zahlt der Fahrtendienstleister jetzt freiwillig Millionen an Betroffene.
Getty Images

Der US-Fahrdienstleister Uber zahlt zehntausenden Kunden mit Behinderung mehrere Millionen Dollar Entschädigung. Das Unternehmen stimmte in einem Rechtsstreit wegen des Vorwurfs der Diskriminierung einem entsprechenden Vergleich zu, wie das US-Justizministerium mitteilte.

Alles über 2 Minuten kostet extra

In dem Verfahren ging es um "Wartegebühren", die das Fahrtenunternehmen seit 2016 einhob, wenn der Fahrgast länger als zwei Minuten zum Einsteigen benötigte – ob behindert oder nicht. Auch dann, wenn die Behinderung im Vorfeld angekündigt wurde. Zwei Minuten sind keine lange Zeit für eine Person mit einer Behinderung, die vielleicht mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe unterwegs ist, die abgebaut und im Auto verstaut werden muss, oder die blind ist und mehr Zeit braucht, um den Abholort zu erreichen.

Gutschriften und Bargeld

Das US-Justizministerium sah darin eine unzulässige Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, die beim Einsteigen unter Umständen mehr Zeit brauchen und brachte den Fall vor ein Gericht in Kalifornien. Im Rahmen des nun getroffenen Vergleichs stellt Uber mehr als 65.000 Fahrgästen Gutschriften in Höhe des doppelten Betrags der verlangten Wartegebühren aus. Zudem zahlt das Unternehmen mehr als 1,7 Millionen Dollar an Fahrgäste, die sich über die Gebühren beschwert hatten.

"Keine Bürger zweiter Klasse"

"Menschen mit Behinderungen sollten sich nicht wie Bürger zweiter Klasse fühlen oder wegen ihrer Behinderung bestraft werden. Genau das hat Uber mit seiner Regelung der Wartegebühren aber getan", erklärte Kristen Clarke vom Justizministerium. "Diese Vereinbarung sendet eine deutliche Botschaft, dass Uber und andere Ridesharing-Unternehmen zur Rechenschaft gezogen werden, wenn ihre Dienstleistungen Menschen mit Behinderungen diskriminieren."

Uber zeigte sich "erfreut" über den Vergleich. "Es ist seit langem unsere Politik, Fahrgästen mit einer Behinderung die Wartezeitgebühren zu erstatten, wenn sie uns darauf aufmerksam machen, dass sie belastet wurden." Jedem Fahrer, der bekannt gibt, dass er eine Behinderung hat, würden die Wartezeitgebühren automatisch erlassen, so Uber in einer Erklärung. Gleichzeitig übernimmt Uber in diesen Fällen die entstehenden Kosten, die für den Fahrer anfallen.

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