Welt

Belarus: Staats-TV droht mit objektiven Nachrichten

Ein etwas skurriles Ultimatum stellen die Mitarbeiter des weißrussischen Staatsfernsehens, die sich den Protesten angeschlossen haben.
Leo Stempfl
16.08.2020, 11:11

Die Proteste halten an, immer mehr (auch staatliche) Unternehmen treten in Generalstreik und fordern faire Wahlen. Mittlerweile ist es der siebte Tag in Folge. Um irgendwie doch noch Herr der Lage zu werden, blickt Lukaschenko hilfesuchend zu Putin nach Russland. Dieser habe ihm auch telefonisch Hilfe zugesagt, erklärt Lukaschenko.

In einer TV-Ansprache berichtete der Präsident zudem von einer geplanten Menschenkette, die von der Grenze zu Litauen bis zur Ukraine quer durch Weißrussland führen soll. Vorbild dürfte der "Baltische Weg" sein, im Rahmen dessen sich am 23. August 1989 über eine Million Esten, Letten und Litauer zusammenschlossen, um eine Kette durch alle drei Staaten zu bilden. Nur wenige Monate später erlangten die Staaten erneute Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Die Hoffnung der Protestierenden dürfte derselbe Ausgang in Belarus sein.

Ab Montag keine Propaganda mehr

Sogar Staatsbedienstete wie Polizisten und Mitarbeiter des öfentlichen Rundfunks unterstützen die Proteste. Ein für europäische Maßstäbe ungewöhnliches Ultimatum stellt dabei der größte staatliche Nachrichtensender BT (БТ): Sollten keine transparenten Wahlen angekündigt werden, wird vom Sender keine Propaganda zu Gunsten des Präsidenten mehr ausgestrahlt, sondern nur mehr objektive Nachrichten berichterstattet.

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