Benkos Raubritter-Angriff auf "Krone" erfolglos

René Benko mit seiner Frau Nathalie
René Benko mit seiner Frau NathalieBild: Andreas Tischler
Immo-Investor René Benko wollte Herausgeber Christoph Dichand aus der "Krone" mobben. Der Gesellschafterausschuss ließ ihn abblitzen. Nun droht ein jahrelanger Gerichtsstreit.
Vielleicht finden die Vorgänge ja einmal thematisch Eingang in Vorlesungen auf der Wirtschaftsuni: Wie bringe ich als Teileigentümer ein erfolgreiches Unternehmen erfolgreich aus der Spur?

Die "Krone" ist seit Jahrzehnten eine Gelddruckmaschine, liefert den Eigentümern fette Gewinne ab, hat rund zwei Millionen Leser und hohes, politisches Gewicht. Nun lastet ein Eigentümerstreit auf ihren Schultern, dem Unternehmen droht die jahrelange, operative Lähmung.

Der Krimi im Hintergrund

Was ist passiert? Im November hatte sich die "Signa Holding" von Immo-Investor René Benko (41) überraschend 49 Prozent an der "WAZ Ausland Holding" gekauft. Diese "WAZ Ausland Holding" verwaltet die Anteile der deutschen "Funke-Gruppe" an der "Kronen Zeitung" (und am "Kurier"). Die "Krone" gehört zu je 50 Prozent der Eigentümerfamilie Dichand und eben "Funke".

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Benko aber will jetzt den ganzen Kuchen und dafür ist ihm offenbar jedes Mittel recht. Freitag wurde bekannt, dass "WAZ/Funke" vor dem Arbeitsgericht eine Entlassungsklage gegen Christoph Dichand (54) einbringen will. Er ist der Sohn von "Krone"-Gründer Hans Dichand und aktuell Herausgeber der Zeitung (hier mehr zu den Hintergründen).

Die Ankündigung sorgte für ein mittelschweres Beben, zumal das Vorhaben mutmaßlich von Benko selbst bzw. seinen Anwälten über die Gratiszeitung "Österreich" lanciert wurde. Ein Teileigentümer, der dem anderen Teileigentümer via direkter Konkurrenz in den Rücken fällt? "So geht schlechtenfalls ein Oligarch vor", sagte gestern einer der "Krone-Gesellschafter" zu "heute.at."

Betriebsrat für Dichand

Die Folgen am Freitag: Zunächst wies Dichand-Anwältin Huberta Gheneff alle Vorwürfe gegen den "Krone"-Chef entschieden zurück und kündigte Klagen an. Eine gegen "Österreich" wegen "Kreditschädigung", eine weitere gegen den Mitgesellschafter. Er soll wegen "Treuewidrigkeit" aus der "Krone" ausgeschlossen werden.

Am Vormittag tagte der Aufsichtsrat der Zeitung und sprach sich gegen eine Entlassung von Dichand aus. Der Betriebsrat und der Redaktionsbeirat der Zeitung stellten sich hinter den Herausgeber, beide sprachen ihm "nachdrücklich" das Vertrauen aus.

Herausgeber Christoph Dichand wandte sich via Aussendung selbst an die Öffentlichkeit und betonte, dass er "die Pressefreiheit und Unabhängigkeit der Kronen Zeitung mit aller Kraft verteidigen werde." Und: "An die Adresse jener, welche die Macht über die größte Tageszeitung des Landes erlangen wollen, sei unmissverständlich gesagt: Die Krone ist kein Spekulationsobjekt".

Dichand bleibt Herausgeber

Am Nachmittag tagte dann auch die Gesellschafterversammlung der Zeitung. Dabei wurde kein Beschluss gefasst, das heißt, dass es keine Weisung an die Geschäftsführung gibt, Christoph Dichand zu entlassen. Er bleibt weiter uneingeschränkt Chefredakteur und Herausgeber der "Krone".

Benko und seiner Umgebung, die mit ihrem Vorhaben (vorerst) abblitzten, bleibt nun nur mehr der Weg offen, eine Klage einzureichen und auf diese Weise eine Entlassung zu erwirken. Die "Krone" wird für die Zeit des Gerichtsstreits noch weiter lahmgelegt und das wohl für Jahre.

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