Beschert uns diese Entdeckung bald Corona-Medikamente?

Eine neue Entdeckung könnte uns im Kampf gegen das Coronavirus einen Vorteil verschaffen.
Eine neue Entdeckung könnte uns im Kampf gegen das Coronavirus einen Vorteil verschaffen.Getty Images/iStockphoto
Um Sars-CoV-2 in den Griff zu bekommen, braucht es neben Impfstoffen auch Medikamente. Jetzt wurde eine Schwachstelle des Virus entdeckt.

Schon früh in der Pandemie wurde getestet, ob bereits existierende Medikamente gegen andere Krankheiten nicht auch gegen Covid-19 helfen könnten: Remdesivir etwa, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde, oder Hydroxychloroquin, das gegen Malaria wirkt. Auch der Entzündungshemmer Dexamethason, eines der Präparate, das der ehemalige US-Präsident Donald Trump während seiner Covid-19-Erkrankung bekam, zählt dazu.

Den richtig großen Erfolg brachte jedoch noch keine dieser Therapien. Die Suche nach einem wirksamen antiviralen Mittel, mit dem sich die von Sars-CoV-2 ausgelöste Erkrankung behandeln lässt, hält entsprechend an. Eine Entdeckung von Bioinformatikerinnen und Bioinformatikern der Eberhard Karls Universität Tübingen könnte diese in Zukunft einfacher werden lassen und auch bei der Schaffung neuer Präparate helfen.

Virus an der Vermehrung hindern

Wie das Team um Andreas Dräger, der auch für das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) tätig ist, im Fachjournal "Bioinformatics" schreibt, ist es ihnen gelungen, mittels eines Computermodells eine Schwachstelle des Virus auszumachen, an der ein Medikament gegen Covid-19 ansetzen könnte: das Enzym Guanylatkinase 1 (GK1). Es "spielt eine wichtige Rolle im Metabolismus der Bausteine von Ribonukleinsäuren (RNA) und ist damit auch maßgeblich am Aufbau viraler RNA, wie der von SARS-CoV-2 beteiligt", heißt es in einer Mitteilung des DZIF.

Oder anders ausgedrückt: Das Virus braucht das Enzym, um sich vermehren zu können. Schaltet man GK1 aber aus, wird die Reproduktion von Sars-CoV-2 unterbunden. Die menschliche Wirtszelle wird dadurch nicht beeinträchtigt, so Dräger: "Während die Virusvermehrung ohne GK1 nicht mehr stattfindet, kann die menschliche Zelle auf andere biochemische Stoffwechselwege ausweichen." Das sei eine wichtige Voraussetzung, wenn man das Enzym mit einem Wirkstoff hemmen wollte, ohne nachteilige Nebenwirkungen beim Menschen auszulösen.

Weitere hoffnungsvolle Nachrichten

Die Erkenntnisse werden als Durchbruch gewertet: So sind bereits einige Stoffe bekannt, die das Enzym hemmen. Einige davon sind sogar schon zugelassen. Welche davon im Kampf gegen das Coronavirus helfen könnten, sollen nun Experten vom Fraunhofer IME ScreeningPort in Hamburg prüfen. Sie haben Einblick in eine Bibliothek aus rund 5600 Wirkstoffen, die bereits für einen anderen Zweck zugelassen sind. Werden sie dort fündig und bestätigt sich die Wirksamkeit gegen Sars-CoV-2 auch in Tieren und Menschen, könnte nach Meinung der Tübinger ein auf Corona umgewidmetes Medikament Ende 2021 zugelassen werden.

Ein weiterer positiver Aspekt: Der Ansatz dürfte auch bei sämtlichen Mutationen des Virus funktionieren, wohl auch gegen die als bedenklich eingeschätzten Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien.

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