In Großbritannien hat am Montag eine fünftägige Anhörung begonnen, bei der das Strafmaß für den Besitzer eines Bestattungsunternehmens in Hull festgelegt werden soll. Der 48-Jährige soll dutzende Leichname einfach in Regalen gelagert haben, anstatt sie – wie mit den Angehörigen vereinbart – einzuäschern. Bereits im April hat er sich in dutzenden Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter Diebstahl und Betrug. Jetzt droht ihm eine Haftstrafe.
Die Polizei hat in einem Kühlraum seines Instituts 31 Leichname gefunden. Diese hätten schon Monate davor verbrannt werden müssen. Unter den Toten war auch ein zweijähriges Kind, dessen Überreste laut Ermittlern bereits zwei Jahre dort gelegen sind. Außerdem wurden mehr als hundert Urnen mit Asche von Verstorbenen entdeckt. "Auf beiden Seiten des Raumes lagen Leichen auf Regalen", schilderte Staatsanwalt Chris Paxton vor dem Hull Crown Court im Nordosten Englands.
"Die überwiegende Mehrheit war nicht zugedeckt und befand sich in unterschiedlichen Stadien der Verwesung", so Paxton weiter. Das Unternehmen habe "dem Schauplatz eines Horrorfilms" geglichen, zitierte Paxton einen ehemaligen Mitarbeiter. Der Besitzer habe die Angehörigen schlecht behandelt, falsche Versprechungen gemacht und auch Spenden, die für wohltätige Zwecke gedacht waren, veruntreut. Als Grund für den Umgang mit den Leichnamen gab der Bestatter finanzielle Schwierigkeiten an.
Er habe rund 90.000 Pfund Schulden angehäuft, weil "die Leute nicht immer bezahlten". Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm das aber nicht. Der Unternehmer habe "nach eigenem Gutdünken gehandelt und das Geld für sich oder andere ausgegeben", erklärte Paxton. Außerdem soll sich der Beschuldigte "maßlose private Ausgaben" geleistet haben. Die finanzielle Lage des Unternehmens sei "keineswegs prekär" gewesen.
Jasmine Beverley, deren Bub Sunny im Mai 2022 tot zur Welt gekommen ist, sagte dem Sender BBC, der Bestatter habe einen "sympathischen" Eindruck gemacht und sich "sehr respektvoll" verhalten. Für sie war es ein Schock, als sie erfahren hat, dass die sterblichen Überreste ihres Sohnes in einem braunen Kuvert am Boden des Unternehmens gefunden wurden – obwohl sie gedacht hat, er sei längst eingeäschert worden.
"Ich musste feststellen, dass er sich dort noch immer befand - fast zwei Jahre nach der Trauerfeier." Im Zuge der Strafmaßverkündung sollen die Stellungnahmen von mehr als hundert Angehörigen verlesen werden. Einige von ihnen wollen sich jetzt gemeinsam mit mehreren Abgeordneten für schärfere Vorschriften für Bestatter einsetzen.
In England und Wales braucht man nämlich keine Lizenz, um als Bestatter zu arbeiten. In Schottland gibt es ab März 2025 einen Verhaltenskodex.