Die Zahlen sind drastisch: In Niederösterreich ist die Zahl der Anzeigen wegen Sozialleistungsbetrugs massiv gestiegen. Wurden vor zehn Jahren noch rund 70 Fälle angezeigt, waren es im Vorjahr bereits mehr als 800. Damit haben sich die Delikte seit 2016 mehr als verzehnfacht.
Gegenüber "ORF NÖ" spricht Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamts, von teils außergewöhnlichen Betrugsmaschen.
"Ein besonderer Fall war jener, wo ein Mann vorgegeben hat, blind zu sein und dann in einer Talkshow aufgetreten ist. Vorher ist er mit dem Auto mit seiner Gattin und einer Rechtsvertreterin zur Talkshow gefahren. Die Anwältin hat dann gesagt, sie habe ihm den Weg angesagt, denn er hätte ja nichts gesehen", sagte Pfandler.
Der Schaden in diesem Fall: mehr als 220.000 Euro. Besonders häufig geht es in Niederösterreich um Betrug beim Arbeitslosengeld. Den größten finanziellen Schaden verursachen laut den Ermittlern aber falsche Angaben beim Pflegegeld.
Seit 2018 wurden in diesem Bereich Fälle mit einem Schaden von rund 40 Millionen Euro aufgedeckt. Um solche Delikte besser verfolgen zu können, hat das Bundeskriminalamt bereits 2018 eine Taskforce eingerichtet. Seit zehn Jahren gibt es zudem in allen Bundesländern eigene Spezialeinheiten.
Wichtig sei vor allem der Austausch zwischen Polizei und Sozialleistungsträgern wie ÖGK, BVA oder AMS. "Nur wenn wir Daten untereinander austauschen, haben wir große Chancen, solche Betrügereien aufzudecken", so Pfandler gegenüber "ORF NÖ".