Die Masche ist eiskalt: Ältere Menschen bekommen unerwartet einen Anruf. Durch den Telefonhörer wird ihnen eingeredet, ein Angehöriger habe einen tödlichen Unfall verursacht und sitze nun in Haft. Nur eine sofort bezahlte "Kaution" könne Schlimmeres verhindern.
Genau so sollen internationale Betrüger in Österreich zugeschlagen haben. Ein 23-jähriger Pole holte laut "Kurier" in sieben Fällen Bargeld bei Opfern ab – teils als vermeintlicher Polizist, teils als Gerichtsmitarbeiter.
Insgesamt kamen so fast 400.000 Euro zusammen. Tatsächlich soll sogar fast eine Million Euro gefordert worden. Letztlich landete die Betrugsmasche am Dienstag vor dem Landesgericht Wiener Neustadt.
Vor Gericht beteuerte der Pole laut "Kurier", er habe anfangs nicht gewusst, für wen er da arbeitete. Nach der Matura sei er als Kurierfahrer unterwegs gewesen und habe auf einer polnischen Homepage ein Jobangebot gefunden. Es war "zu gut war, um wahr zu sein", sagte er vor Gericht. Pro Fahrt seien ihm damals 400 Euro versprochen worden.
Seine Aufgabe: angeblich Pakete bei Kunden abholen. Doch bald wurde dem 23-Jährigen klar, dass etwas nicht stimmt. Er sollte laufend neue SIM-Karten verwenden, in Hotels auf Anweisungen warten und das Geld auf Supermarkt-Parkplätzen weitergeben. Als immer nur ältere Menschen Bargeld übergaben, hätten bei ihm "langsam die Alarmglocken geläutet", heißt es im "Kurier".
Auszusteigen habe er sich aber nicht getraut. Die Hintermänner hätten seine Adresse gekannt, er habe Angst um seine Familie gehabt, gab der Angeklagte vor Gericht an. Teil der kriminellen Organisation gewesen zu sein und zehn Prozent der Beute kassiert zu haben – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – bestritt er jedoch.
Der 23-jährige, bisher unbescholtene Mann wurde am Dienstag zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.