Biden mit Afghanistan-Hammer: "IS-Anschläge möglich!"

US-Präsident Joe Biden nahm am Sonntagabend (österreichischer Zeit) zur Lage in Afghanistan Stellung.
US-Präsident Joe Biden nahm am Sonntagabend (österreichischer Zeit) zur Lage in Afghanistan Stellung.BRENDAN SMIALOWSKI / AFP / picturedesk.com
Die Sorge vor Terror-Anschlägen bei US-Präsident Joe Biden wächst. Er will darum so viele Amerikaner in Afghanistan wie möglich nach Hause bringen.

Die US-Regierung ist nach Angaben von Präsident Joe Biden im Gespräch mit dem Militär über eine mögliche Verlängerung der Evakuierungsmission aus Afghanistan über das Monatsende hinaus. "Es gibt Diskussionen zwischen uns und dem Militär über eine Verlängerung", sagte Biden am Sonntag bei einer Rede im Weißen Haus. "Wir hoffen, dass wir nicht verlängern müssen." Eine Woche nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan versprach Biden erneut, jeden ausreisewilligen Amerikaner nach Hause zu bringen. Die US-Regierung bemühe sich außerdem darum, afghanische Unterstützer des Einsatzes, andere gefährdete Afghanen sowie Staatsbürger von Partnerländern außer Landes zu schaffen.

Biden sagte auf eine entsprechende Frage, sollten andere G7-Staaten um eine längere Präsenz der US-Truppen am Kabuler Flughafen bitten, werde er antworten, "dass wir sehen werden, was wir tun können". Die Staats- und Regierungschefs sieben wichtiger Industriestaaten kommen am Dienstag zu einem Online-Sondergipfel zu Afghanistan zusammen. Am Kabuler Flughafen herrschte am Wochenende weiter Verzweiflung. Der US-Sender CNN berichtet, am Sonntag hätten im Flughafen und an den Zugängen mehr als 20.000 Schutzsuchende ausgeharrt. Biden sagte, US-Truppen am Flughafen hätten die umliegende Sicherheitszone erweitert. Die Taliban seien dabei "kooperativ" gewesen.

Joe Biden warnt vor IS-Anschlägen

Nach Angaben des US-Präsidenten haben die Evakuierungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Biden sagte, seit dem Beginn der US-Evakuierungsmission am 14. August hätten US-Streitkräfte und ihre Koalitionspartner insgesamt fast 28.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Innerhalb von 36 Stunden seien zuletzt rund 11.000 Menschen über die Luftbrücke in Sicherheit gebracht worden. Biden gab aber auch zu Bedenken: "Wir haben noch einen langen Weg vor uns, und es kann noch viel schiefgehen."

Biden warnte vor der Gefahr von Terroranschlägen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen in Kabul. "Wir wissen, dass Terroristen versuchen könnten, die Situation auszunutzen und unschuldige Afghanen oder amerikanische Truppen anzugreifen", sagte er. Als "wahrscheinliche Quelle" eines solchen Angriffs nannte er den regionalen Ableger des IS. Mit jedem Tag der Präsenz seien die US-Truppen und unschuldige Zivilisten am Flughafen dem Risiko eines Anschlags der Terrormiliz ausgesetzt. Die Taliban und der IS sind verfeindet und haben sich in der Vergangenheit bekämpft.

US-Präsident hält an Entscheidung fest

Biden nannte die Szenen am Flughafen in Kabul "herzzerreißend". Er zeigte sich aber unbeirrt in seiner Überzeugung, dass seine Entscheidung eines vollständigen Truppenabzugs kein Fehler war. "Ich denke, dass die Geschichte festhalten wird, dass dies die logische, rationale und richtige Entscheidung war." Die Evakuierung von Tausenden Menschen aus Kabul wäre immer "hart und schmerzvoll" verlaufen, unabhängig vom Zeitpunkt ihres Beginns. Bidens Regierung wird vorgeworfen, zu spät damit begonnen zu haben.

Die militant-islamistischen Taliban hatten am Sonntag vergangener Woche Kabul erobert und die Macht übernommen. Seitdem fürchten Oppositionelle, Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und auch Ortskräfte, die für westliche Staaten tätig waren, Racheaktionen. Viele Bürger befürchten, dass die Extremisten wie schon vor 25 Jahren ein islamisches «Emirat» errichten wollen und dabei mit drakonischen Strafen gegen Andersdenkende vorgehen.

G7-Player wollen über Afghanistan-Frage beraten

Die G7-Staaten wollen am Dienstag auf einem Sondergipfel ihr Vorgehen in Afghanistan abstimmen, unter anderem bei den Evakuierungen. Eine Fortführung des Evakuierungseinsatzes ohne die USA gilt als ausgeschlossen. Die britische Regierung, aber auch deutsche Politiker setzen sich für eine Verlängerung der Rettungsmission über das Monatsende ein. So forderte beispielsweise der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour in der «Welt», die Bundesregierung müsse in Washington darauf hinwirken, «dass die US-Truppen die Evakuierungsflüge über den August hinaus möglichst absichern»

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