Bleiben die Balkan-Geistervillen diesen Sommer leer?

Die Luxus-Geisterstädte des Balkans bleiben dieses Jahr wohl wirklich leer.
Die Luxus-Geisterstädte des Balkans bleiben dieses Jahr wohl wirklich leer.(Bild: heute.at)
Während man in Wien in einer kleinen, bescheidenen Einzimmerwohnung haust, wartet am Balkan eine Villa auf die Jugo-Familien. Auch auf mich. Dieses Jahr kann ich ihr wohl keinen Besuch abstatten.

Ich lebe seit mittlerweile über 20 Jahren in Wien und ich sage es immer wieder gerne: Ich liebe diese Stadt. Ich will mich gar nicht irgendwie anbiedern oder einschleimen, aber tatsächlich gibt es für mich keinen schöneren Ort. Noch dazu bin ich Wien sehr dankbar. Immerhin hat man meine Familie und mich damals in den 90ern mit offenen Armen empfangen und uns eine Chance gegeben. 

Wie schon des öfteren in meinen Blogs erwähnt, kam ich ja mit meiner Mama nach Österreich. Die Job-Aussichten waren hier einfach besser als unten nach dem Krieg. Einen Manager-Posten hat meine Mutter natürlich nicht bekommen, aber wir kamen ganz gut über die Runden. Luxus gab es keinen. Zumindest nicht hier in Wien.

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Kein Urlaub im Urlaub

Obwohl wir Monat für Monat gerade noch so genug Geld für das Nötigste hatten, beschloss meine Mama, dass sie ein Haus bauen will. Also wirklich von null auf. Grundstück kaufen, Architekten holen, Ziegel für Ziegel aufeinander stapeln, bis alles fertig ist. Ein Ding der Unmöglichkeit mit ihrem Gehalt. So ehrlich muss man sein. Also hier in Wien oder Österreich. Etwa 600 Kilometer südlich sah die Sache schon ein klein wenig anders aus. Mit den paar Euro, die sie sich immer zur Seite gelegt hatte, konnte sie eine kleine Villa am Balkan errichten lassen. 

Natürlich ist sie nicht die Erste gewesen, die auf so eine Idee gekommen ist. Es gibt im ehemaligen Jugoslawien ganze Dörfer, die eigentlich den Wien-Balkanern gehören. Ein "Palast" reiht sich an den nächsten. Nur Superlative zählen. Es kann nicht genug Prunk geben. Und wozu das alles? Vereinfacht gesagt: für den Sommer.

Grenzen werden wohl zu bleiben

Denn das ganze Jahr über sind diese Ortschaften "Luxus-Geisterstädte". Außer eben in den heißen Sommermonaten. Da zieht es uns Ex-Jugos runter in die alte Heimat. Urlaub machen ist aber nicht angesagt. Denn über die Monate sammelt sich in den "Schlössern" Staub, der Garten verwildert förmlich. Da ist einiges zu tun. Die Tage und Wochen werden also eigentlich immer damit verbracht, alles wieder auf Vordermann zu bringen.

Aber wie sieht es dieses Jahr aus? Offenbar eher schlecht. Die Luxus-Geisterstädte drohen leer zu bleiben. Denn man muss wissen, dass die Villen eher in Bosnien und Serbien zu finden sind. Im Touristen-Hotspot Kroatien sind die Grundstücke doch um einiges teurer. Die zwei Staaten gehören aber leider nicht zur Europäischen Union. Aktuell tun sich die Länder schon schwer, die Grenzen innerhalb der EU zu öffnen. Dass die Grenzen der EU selbst im Sommer noch geöffnet werden, ist wohl eher eine Wunschvorstellung von uns Balkanern. 

Aber wie heißt es so schön: "Wer hat, der hat". Auch wenn es niemandem etwas bringt. Aktuell noch weniger als sonst...

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