Balkan-Blog

06. Februar 2019 07:00; Akt: 06.02.2019 11:36 Print

Warum am Balkan Luxus-Geisterstädte entstehen

Eine Einzimmerwohnung in Wien, eine Villa am Balkan: Wie viele Jugo-Familien lebt auch meine einen Widerspruch.

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Seit nunmehr über 20 Jahren lebe ich in Wien. Viel hatten meine Eltern nicht, als wir wegen des Balkan-Kriegs unsere alte Heimat verließen und ein neues Leben in Wien begannen.

Warum wir ausgerechnet in die österreichische Hauptstadt zogen, weiß ich nicht so genau. Da würden Arbeitsplätze gesucht, meinte meine Mutter. Und am Balkan tendierten die Chancen auf einen Job zu dieser Zeit gegen Null.

Arbeiten in Wien, für Villa am Balkan

So viel sei verraten: Das große Geld verdienten meine Eltern hier nicht. Es reichte eben gerade so zum Überleben. Zunächst wohnten wir in einer Ein-Zimmer-Wohnung in Favoriten, später in einer etwas größeren in Transdanubien. Luxus gab es keinen. Zumindest nicht in Wien.

Denn obwohl es in unserer kleinen Wohnung nur gerade fürs Nötigste reichte, entschlossen sich meine Eltern, ein Haus zu bauen – etwas außerhalb Wiens. So etwa 600 Kilometer südlich, um genau zu sein.

Sie waren nicht die einzigen, die ihre Wurzeln nicht vergessen hatten. In der alten Heimat entstanden Häuser, die man fast nicht mehr als solche bezeichnen kann. “Villen” oder “Paläste” trifft es in vielen Fällen schon viel eher.

Luxus-Geisterstädte in Ex-Jugoslawien

Glaubt ihr nicht? Ein Blick in das serbische Dorf Gomilica reicht aus, um jeden Zweifler zu überzeugen. Hier stehen Villen eng an eng beieinander. Doch wirklich lebendig sieht der Ort nicht aus. Er gleicht einer Luxus-Geisterstadt. Der Grund: Die Besitzer leben und arbeiten alle in Österreich oder Deutschland.

Sie investierten ihr Geld in Paläste, in denen nun niemand wohnt. Ein Einwohner meint dazu: "Als es den Schilling noch gab, hat der Nachbar zwei Stockwerke gebaut. Also hab' ich drei gemacht. Das war ein Wettkampf."

Villen in Gomilica

Gomilica ist nicht die einzige Luxus-Geisterstadt am Balkan. In ganz Ex-Jugoslawien sind Ortschaften verstreut, deren Prachtbauten es problemlos mit Hollywood aufnehmen könnten. Während einigen Tagen im Sommer wirkt es auch so, als ob hier tatsächlich wer leben würde.

Denn dann kehren die Austro-Jugos wieder in ihre alte Heimat zurück. Nicht, um Urlaub zu machen – nein. Denn in dem einen Jahr sammelt sich Staub und wuchert das Gras. Die wenigen Tage werden also damit verbracht, Ordnung im Palast zu machen, bevor es wieder zurück in die Einzimmerwohnung nach Wien geht.

Auch meine Familie ist mittlerweile im Besitz eines riesigen Hauses am Balkan. Wann wir zuletzt dort waren? Ich erinnere mich nicht. Wann wir das nächste Mal hinfahren? Weiß ich genauso wenig. Aber wie heißt es so schön: "Wer hat, der hat". Auch wenn es niemanden etwas bringt...

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Exjugo am 06.02.2019 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sind doch nicht blöd

    Ich kenne auch einige und wenn sie in Pension sind bleiben sie weiterhin in Österreich gemeldet und fahren dann kurz über die Grenze und holen sich ihr Geld dann geht's wieder zurück in ihre Villen.

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  • mizzi lenk am 06.02.2019 07:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wer verlässt schon das Paradies

    Den Sozialstaat Österreich?

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  • myopinion am 06.02.2019 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Geisterstadt

    Was soll der Artikel jetzt bewirken? Sollen wir Österreicher etwa Mitleid haben? Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, mussten die Österreicher/innen bei Stunde 0 anfangen. Ohne Arbeit, ohne Sozialsystem etc. Sorry, aber ich finde hier wird Österreich wiedereinmal nur ausgenützt, indem eigentlich die Häuser dort mitfinanziert werden.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • sabrina am 07.02.2019 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    geisterstädte

    nur dass die Immobilien dann nichts wert sind. denn kaufen tut die keiner. also kann man nur urlaub machen, oder als pensionist in einer geisterstadt leben. die medizinische versorgung wird halt auch nicht rosig sein in einer geisterstadt. also alles hat vor- und nachteile. wobei in österreich gibts ja auch geisterstädte/dörfer, vor allem in luxusskigebietsnähe. dort kaufen sich die millionäre ein, und nur einmal im jahr ist was los, ansonsten tote hose.

  • Pice am 07.02.2019 18:29 Report Diesen Beitrag melden

    Für Pension vorsorgen

    Probier hir ein Haus zu bauen das kannst du nicht egal wie viel du arbeitest der Stadt nimmt dir das nötige Geld zum Essen weg des wegen bauen Österreicher in Burgenland auch Ferien Häuser früher jetzt am neusidlersee .

  • Jasmine am 07.02.2019 02:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Häuser sind dort billiger zu bauen

    Ja, es erzählen mir oft Leute:wir bauen uns im Heimatland großartige Häuser.

    • Glückliches Männchen am 07.02.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      Nix schlimm

      Und? Was ist schlimm daran? Jeder darf sein Geld ausgeben wo er will.

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  • Mirslav am 06.02.2019 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nimmer lang

    Mit der indexierten Kinderbeihilfe werden die Häuser bald kleiner ausfallen.

  • Sappalot am 06.02.2019 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachgedacht?

    Warum gehen hier alle davon aus, dass es sich um fleißige Arbeiter handelt? Die meisten sind eben einfach arbeitslos und das seit Jahrzehnten, bekommen 7 Kinder und mit dem Geld bauen sie dann da unten. DAS ist nähmlich die Wahrheit. Die paar fleißigen kannst an einer Hand abzählen.

    • sabrina am 07.02.2019 18:40 Report Diesen Beitrag melden

      einfach nur ein märchen!

      du weißt aber schon wie hoch die kinderbeihilfe ist, und wie hoch die lebenserhaltungskosten sind? da geht das meiste geld sehr wohl in die lebenserhaltungskosten drauf. da wird man nicht viel für ein haus sparen können.

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