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Blindenleitsystem in Wiener Seestadt: "Absolutes No-Go"

Barrierefreie Zugänge sind von großer Wichtigkeit, auch in Wien. Doch wie hilfreich ist die Umsetzung für betroffene Personen wirklich?

Stefan Pscheider
Das Blindenleitsystem in der Seestadt sorgt für Verwirrung.
Das Blindenleitsystem in der Seestadt sorgt für Verwirrung.
Lesereporter

Das Blindenleitsystem am Eva-Maria-Mazzucco-Platz in der Wiener Seestadt bildet eine auffällige Zick-Zack Spur. Ein Foto dazu wurde der "Heute"-Redaktion von einer Leserin zugesendet. Sie scheint irritiert: "Was ist hier los? So eine Labyrinth für Blinde zu bauen, könnte man nicht einfach neue, gerade Streifen machen?"

"Es war notwendig"

Laut Pressesprecher der MA 28 (Straßenverwaltung und Straßenbau) war es: "im Zuge des Umbaus notwendig, das bestehende Blindenleitsystem an die neue Oberflächennutzung anzupassen. Bei den gelb gepflasterten Flächen handelt es sich um den Standort von Wasserspielen und des einmal in der Woche stattfindenden Marktes. Um blinde und sehbehinderte Menschen an den wassernassen Flächen und den freitags aufgestellten Marktständen sicher vorbeizuführen, wurde dieser Verschwenk notwendig." 

"Umsetzung nicht sinnvoll"

"Heute" hat diesbezüglich auch mit dem Wiener Blinden- und Seebehindertenverband gesprochen und sie sind der Meinung: "In manchen Situationen geht es leider nicht anders und es müssen Richtungsänderungen unter 45 Grad gewählt werden. Betreffend die Situation in der Seestadt wären allerdings weniger Richtungsänderungen möglich gewesen. Die Umsetzung ist nicht sinnvoll erfolgt."

Keine Orientierung

Die 45 Grad beziehen sich in diesem Fall auf die Orientierung. Fallen die Drehungen darunter, kann die Gehrichtung von Blinden und Sehbehinderten sehr schlecht eingeschätzt werden. Betroffene können sich laut Richard Jäkel – Trainer für Orientierung und Mobilität – nur mehr schwer zurechtfinden.

Auch Kurt Prall, Obmann des Blinden- und Sehbehindertenverbands findet klare Worte zur Situation in der Seestadt: "So ein Zick-Zack-Kurs ist ein absolutes No-Go! Nachdem die Seestadt neu errichtet wurde, hätte man schon bei der Planung auf die baulichen Gegebenheit Rücksicht nehmen und die taktilen Bodeninformationen (TBI) in einfacher gerader Linie führen können."

Keine Zusammenarbeit?

Obwohl die MA 28 angibt großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband zu setzen,  beteuert Letzterer: "weder in die Planung noch in die Ausführung dieser TBI in der Seestadt eingebunden" gewesen zu sein.

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