Politik

"Brandgefährlich" – ORF-Chef wettert gegen neue Gebühr

Jetzt meldet sich auch der langjährige Küniglberg-Boss Alexander Wrabetz in der Frage um eine neue Haushaltsabgabe für den ORF zu Wort.

Heute Redaktion
Alexander Wrabetz leitet den ORF von 2006 bis 2021.
Alexander Wrabetz leitet den ORF von 2006 bis 2021.
Helmut Graf

Von 2006 bis 2021 leitete Alexander Wrabetz (62) den größten Medienkonzern des Landes, trotzte zahlreichen (Spar-)stürmen und arrangierte sich gut mit den jeweils regierenden. Mittlerweile ist ihm der ÖVP-nahe Roland Weißmann am ORF-Chefsessel nachgefolgt. Wrabetz ist nun Präsident von Rapid Wien und wurde sogar für den SPÖ-Chefsessel ins Spiel gebracht. Bürgermeister Michael Ludwig erlaubte sich eine kleine Spitze gegen Parteichefin Rendi-Wagner und lud ihn prompt in seine Loge (am Opernball) ein.

"Raab hat schwierigsten Weg gewählt"

In einem Gespräch mit dem scheidenden "profil"-Chef Christian Rainer kritisiert Alexander Wrabetz nun den Plan von Medienministerin Susanne Raab, eine ORF-Haushaltsabgabe für alle Österreicher einzuführen: "Sie hat den schwierigsten Weg gewählt, um die zukünftige Finanzierung zu gestalten." Er hätte offenbar eine Ausdehnung der bestehenden GIS präferiert: "Das noch von mir angestrebte VfGH-Erkenntnis besagt, dass TV-Empfang via WIFI jenem über Antenne, Kabel oder Satellit gleichzusetzen ist. Das hätte man auch mit einem Satz umsetzen können", so Alexander Wrabetz.

"Brandgefährlich für ORF"

Bis 2024 muss nun die sogenannte Streaminglücke geschlossen werden. Der Zeithorizont besorgt Wrabetz offenbar: "Die Einführung einer Haushaltsabgabe hat in Deutschland drei Jahre gedauert. So etwas in ein paar Monaten durchzupeitschen, ist brandgefährlich für den ORF und sein Publikum und wichtige gesellschaftliche Bereiche wie Kultur, Film oder Sport."

Kritik an ÖVP

Wieso die ÖVP mit dem Motto 'der ORF muss bluten' ein Thema für die FPÖ hochspiele, sei ihm "nicht erklärbar". Dann fügt er noch an: "Ich glaube auch, dass Qualitätsmedien generell nur mit einer starken öffentlichen Komponente finanzierbar sind. Damit kommst du aber in eine Situation, über die ich viel erzählen kann, nämlich dass du natürlich nahe an der Politik und deren Einflussbegehren agierst."

Diese Details näher auszuführen, verkniff sich Wrabetz dann im "profil"-Talk jedoch.

Österreicher lehnen neue Gebühr mehrheitlich ab

Auch die Mehrheit der Österreicher lehnt eine neue ORF-Haushaltsabgabe für alle ab, wie eine brandaktuelle Umfrage von "Unique Research" am Wochenende ergab. 51 Prozent lehnen dieses neue Entgelt für alle vier Millionen Haushalte des Landes entschieden ab. Unterstützung bekommt Susanne Raab derzeit nicht einmal von einem Viertel der Österreicher.

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