Bresnik: "Dieses Verhalten passt nicht zu Dominic"

Günter Bresnik, Ex-Trainer von Thiem, trainiert jetzt Monfils: "Der beste Athlet im Tennis-Zirkus."
Günter Bresnik, Ex-Trainer von Thiem, trainiert jetzt Monfils: "Der beste Athlet im Tennis-Zirkus."GEPA
Günter Bresnik, der Macher von Dominic Thiem, trainiert jetzt Gael Monfils – die Nummer 11 der Welt. Der Trainer über neue Pläne und alte Sorgen.  

Ruhig ist es seit der Trennung von Dominic Thiem im Frühjahr 2019 um Coach Günter Bresnik geworden. Aber nur scheinbar. In der Tennis-Welt bleibt der Thiem-Macher gefragt. Gael Monfils, die aktuelle Nummer 11 der Welt, klopfte an. "Zuerst sein Manager im November, später dann er selbst. Damit habe ich nicht gerechnet. Aber ich rechne eigentlich nie mit Anrufen", sagt Bresnik zu „Heute“.

Bresnik über Projekt Monfils und das Verhältnis zu Thiem 

Auf Teneriffa und in Dubai trainierte das Duo dann gemeinsam. "Wir wollten das in der Praxis probieren." Bresniks Fazit: "Menschlich ist er ein sehr angenehmer Zeitgenosse. Fad wird dir mit ihm nie. Sportlich ist Gael der beste Athlet im Tenniszirkus. Aber es gibt viele Fragezeichen, ob es mit uns passt. Er ist 34 Jahre alt. Dablost er die Trainingsumfänge? Gibt er unserer Idee eine faire Chance? So wie bisher mache ich sicher nicht weiter, aber das ist ihm klar."

Bresnik: "Sieht man Monfils beim Computerspielen zu, staunt man"

Nach Australien, wo im Februar der ATP-Cup und die Australian Open steigen, reiste Bresnik nicht mit. "Die Quarantäne tue ich mir nicht an." Bei ausgewählten Turnieren wird er dabei sein. "Jetzt telefonieren wir viel." Monfils – der seit 17 Jahren auf der Tour ist – lebt in Genf, in Zukunft wird er öfters in der Südstadt ein- und ausgehen und wohl auch beim Training eingehen. "Gael ist privilegiert, schnell im Kopf. Sieht man ihm beim Computerspielen zu, staunt man. Er sieht Dinge früher – so wie Nick Kyrgios. Er hat mit dem Tempo der gegnerischen Schläge weniger Probleme. Von Außenstehenden wird er oft als Kasperl gesehen, er sieht sich selbst aber nicht als Unterhalter. Als Clown wirst du auch nicht die Nummer sechs. Er ist ein Arbeiter. Sehr streng erzogen von seinem Vater, der ein Profifußballer in Frankreich war."

Das Ziel? "Er kann ein Grand-Slam-Turnier gewinnen." Monfils ist ein Superathlet gesegnet mit Talent. Mit Zauberschlägen ist er auf YouTube jedes Jahr bei den Highlights der Renner. Am Platz sind die Erfolge für das vorhandene Potential freilich bescheiden geblieben – Halbfinaleinzüge bei den French Open und Australian Open waren das höchste der Gefühle.

Bresnik sieht als Trainer eine spannende Gratwanderung vor sich. "Er tickt anders. Er ist kein David Ferrer, der wühlt, kämpft und beißt. Er fühlt sich wohl, wenn er kreativ ist. Solche Typen darfst du auch nicht bedingungslos einschränken, sonst richtest du einen großen Schaden an."

Bresnik: "Es stimmt nicht, dass Monfils Verletzungen vortäuscht"

Von Bresnik stammt der Satz. "Ein guter Coach gibt dem Spieler, was er braucht und nicht was er will." Heißt im Fall von Monfils: Mehr Effizienz, viel mehr Konstanz, Blödheiten drastisch minimieren. "Mit dem Blödsinn ist es aber so eine Geschichte", wirft Bresnik ein. "Tennis ist ein Spielsport. Da ist das Überraschungsmoment wichtig. Der Stop ist an und für sich eine gute Idee. Es geht aber auch um die Ausführung. Und wenn der Stop nach der Spieleröffnung beim zweiten oder dritten Ball passiert, rege ich mich auch schon weniger auf." 

Dass Monfils den Ruf als Schauspieler in der Szene hat, ist für Bresnik nicht richtig. "Es stimmt nicht, dass er Verletzungen vortäuscht. Er beugt sich vorne über, das ist sein Ritual. Andere zupfen sich die Unterhose aus dem Hintern.“ 

Duell Monfils gegen Thiem in Melbourne

Beim ATP-Cup in Melbourne trifft Monfils mit Frankreich ab 3. Februar auf Thiem mit Österreich. Wie geht es Bresnik da? "Ich sehe das nüchtern. Der kann das, der das. Ich selbst spiele nie gegen Dominic. Derzeit ist Gael mindestens eine Klasse schwächer. Beim letzten Turnier in der Stadthalle sah ich Gael, da servierte er sechs Doppelfehler in einem Game. Der Qualitätsunterschied zu Dominic ist groß."

Bresnik: "Derzeit gibt es kein Verhältnis zu Dominic"

Bresnik spielt zwar nicht gegen Thiem. Vor dem Wiener Landesgericht duelliert er sich aber mit der Familie Thiem. Es geht um 466.612 € aus Sponsorverträgen. Bresnik pocht als Ex-Manager darauf. 

Nach „Heute“-Infos versuchte sogar Didi Mateschitz zu vermitteln. Vergeblich. "Es geht dabei nur um Geld", sagt Bresnik. "Mir taugte, als die Richterin bei der Anhörung meinte, wir sollen das in einem Gespräch klären." Ende Februar soll das steigen – mit einer Mediatorin. "Derzeit gibt es kein Verhältnis zu Dominic", sagt Bresnik. "Sein Verhalten passt aber nicht zu ihm. Ich kenne ihn als Gerechtigkeitsfanatiker. Unterschriebene Verträge mit Erwachsenen gilt es einzuhalten. Das ist eben so."

Laut Thiem-Anwalt Manfred Ainedter kassierte Bresnik mit Thiem, den er im Alter von sieben Jahren unter seine Fittiche nahm, bisher zwölf Millionen Euro. Dass der Trainer 30 Prozent der Einnahmen Thiems aus Preisgeldern und Sponsorverträgen kassierte – und dies lebenslänglich, bezeichnete der Staranwalt als "arglistig".

Bresnik: "Das ist ja fast wie im Häfn"

Die Australian Open wird Bresnik vor dem Fernseher verfolgen. Den Sport hält er in der Corona-Pandemie für wichtig. "Man kann es natürlich hinterfragen, wenn 70 Tennisspieler in Australien im Hotel festsitzen. Das ist ja fast wie im Häfn. Es geht jetzt um die Gesundheit, es geht um Existenzen. Und es gibt ganz sicher Wichtigeres als das Funktionieren des ersten Aufschlags. Aber ich liebe den Sport und ich liebe vor allem Tennis. Viele Leute haben jetzt andere Sorgen und vielen fällt die Decke auf den Kopf. Da ist der Sport vor dem Fernseher am Abend eine willkommene Abwechslung und ein Hilfsmittel, dass nicht mehr ausrasten. Ähnlich ist es bei der Kultur, die es ja noch schwieriger hat."

Bresnik selbst sieht sich in der Corona-Pandemie privilegiert. "Ich habe einen Garten. Wenn du aber mit zwei Kindern und Frau im zehnten Bezirk auf 35 Quadratmetern im siebenten Stock lebst, ist das etwas anderes. Ich habe genug gespart, dass ich weiß, wie ich meine Kinder ernähre. Arme Schweine sind die, die am 1. April 2020 ein neues Restaurant aufgemacht haben und viel investiert haben. Ich bestreite nicht, dass viel getan wird für solche Menschen. Und nein, das Virus wurde nicht zu Fleiß in Österreich erfunden. Corona ist aber leider noch lange nicht ausgestanden."

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