Die deutsche Marine steht bereit, um bei der Räumung von Seeminen in der strategisch wichtigen Straße von Hormus mitzuwirken. Am Donnerstagmorgen durchquerten das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel den Suez-Kanal, wie das Verteidigungsministerium in Berlin mitteilte. Zuvor wurden die Schiffe bereits ins östliche Mittelmeer verlegt und sollen nun in wenigen Tagen das Rote Meer passieren, bevor sie im Hafen von Dschibuti weitere Vorbereitungen treffen.
An Bord befinden sich etwa 140 Soldaten. Die Einheiten werden laut Verteidigungsminister Boris Pistorius "vorstationiert für eine mögliche Mission in der Straße von Hormus". Noch seien aber nicht alle Bedingungen erfüllt: Ein dauerhafter Waffenstillstand, eine völkerrechtliche Grundlage und ein Bundestagsmandat werden vorausgesetzt.
Der Iran blockierte nach Ausbruch des Konflikts im Februar die Meerenge und legte Berichten zufolge Seeminen aus. Diese Blockade hatte erhebliche Auswirkungen auf den weltweiten Öl- und Flüssiggastransport und sorgte auch in Deutschland für steigende Treibstoffpreise.
Die Räumung der Seeminen gilt als besonders schwierig. Johannes Peters, Experte für maritime Sicherheit an der Universität Kiel, betont: "Die Nordsee und die Ostsee sind weltweit die beiden Meeresgebiete mit den meisten Überresten von nicht explodierten Sprengkörpern aus den Weltkriegen. Wir verfügen daher über viel Erfahrung, auch bei der Räumung von Blindgängern."
Nitya Labh, Sicherheitsexpertin am Londoner Thinktank Chatham House, erklärt, dass verschiedene Minentypen eingesetzt werden können – von treibenden Minen über solche, die am Meeresboden verankert sind, bis hin zu Minen, die auf dem Meeresgrund platziert werden. Selbst wenn Minen entdeckt werden, könne das Entfernen Wochen oder Monate dauern.
Ob es tatsächlich zu einem Einsatz der Bundeswehr kommt, hängt von den weiteren Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie von einem Bundestagsmandat ab. Laut Bundeskanzler Friedrich Merz dürfte sich das Parlament erst kurz vor der Sommerpause mit dem Mandat befassen. Bis dahin nehmen die beteiligten Schiffe weiterhin an der EU-Marinemission ASPIDES teil, die die Seewege im Roten Meer überwacht.