Die Beziehungen zwischen Europa und den USA werden unter Donald Trump immer schlechter. Trotzdem ist die EU bei Waffen und Technik stark von Amerika abhängig. Doch das muss nicht so bleiben, meinen fünf prominente Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
Das Papier trägt den Namen "Sparta 2.0" und stammt von Ex-Airbus-Chef Tom Enders, Ex-Telekom-Boss René Obermann, dem Kieler Wirtschaftsforscher Moritz Schularick, Sicherheitsexperte Nico Lange und Investorin Jeannette zu Fürstenberg. Ihre Botschaft: Europa kann sich verteidigen – es fehlt nur der politische Wille.
„Europa betreibt 14 verschiedene Panzertypen, 15 verschiedene Kampfjets ... (Das bedeutet) 30 bis 40 Prozent weniger Fähigkeiten pro investiertem Euro“Viele kleine Bestellungen kommen unterm Strich teurerSparta 2.0
Wie Reuters berichtet, sagte Ex-Airbus-Chef Enders: "Der Engpass ist weder Geld noch Technologie. Es ist der politische Wille, europäisch zu agieren, Entscheidungen zu treffen und diese dann auch schnellstmöglich und pragmatisch umzusetzen."
Als Beispiel nennt die Studie die zerklüftete Beschaffungspolitik: "Europa betreibt 14 verschiedene Panzertypen, 15 verschiedene Kampfjets und unterschiedliche Kommandosysteme. Diese Fragmentierung vernichtet Skaleneffekte: Europa erzielt laut einer Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik 30 bis 40 Prozent weniger Fähigkeiten pro investiertem Euro als ein konsolidierter Staat."
Die Autoren haben zehn Bereiche definiert, in denen Europa unabhängiger werden muss. Dazu gehören der Aufbau eines eigenen Führungssystems, die Massenproduktion von Drohnen, die Luftverteidigung und eine eigene Satellitenaufklärung. Für diese Schlüsselprogramme schätzen sie Kosten von 150 bis 200 Milliarden Euro bis 2030.
Insgesamt rechnen die Experten mit rund 500 Milliarden Euro über ein Jahrzehnt - also etwa 50 Milliarden pro Jahr. Signifikante Fortschritte seien binnen drei bis fünf Jahren möglich.
Die europäische Rüstungsindustrie ist zwar in viele, kleinere Unternehmen zersplittert – aber es gibt sie. Vor allem Frankreich (etwa mit seinen Rafale-Kampfjets) zählt neben Deutschland (u.a. Rheinmetall) zu den größten Produzenten von Rüstungsgütern und Munition. Investitionen in dieser Branche kämen auch dem Wirtschaftsstandort Europa zugute. Zum Teil finden solche Investitionsprogramme auch schon statt – nur eben zu langsam und zu wenig umfangreich.
"Jeder Euro, der in Software, KI und Raumfahrt fließt, kann einen wirtschaftlichen Multiplikator von bis zu 1,5 erzeugen", erklärt Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IFW). "Europa kann sich diese Investitionen nicht nur leisten, es kann es sich nicht leisten, sie nicht zu tätigen."
Die Umsetzung soll nicht über ein kompliziertes EU-System laufen, sondern über Koalitionen einzelner Staaten. Deutschland, Frankreich, Polen und Großbritannien könnten große strategische Programme gemeinsam koordinieren.
IFW-Präsident Schularick betonte den wirtschaftlichen Nutzen: "Jeder Euro, der in Software, KI und Raumfahrt fließt, kann einen wirtschaftlichen Multiplikator von bis zu 1,5 erzeugen. Europa kann sich diese Investitionen nicht nur leisten, es kann es sich nicht leisten, sie nicht zu tätigen."