Grasser durch Meischis Selbstanzeige "verstört"

Meischberger schilderte am 34. Prozesstag seine Zusammenarbeit mit Norbert Wicki, die Zeit rund um die Selbstanzeige und wie KHG darauf reagierte..

Walter Meischberger ist mittlerweile Rekordhalter, was die Dauer seiner Befragung betrifft. Kein anderer Angeklagter im Buwog-Prozess wurde bisher so lange befragt. An seinem 6. Tag vor der Richterin, dem 34. Verhandlungstag, sprach er über die Geldsummen, die er in der Zeit seines Villenbaus in Döbling und dem Kauf und der Renovierung seiner Wohnung in Ibiza ausgegeben hat.

Das seien rund drei Millionen Euro gewesen. "Natürlich war das auffällig", gab Meischberger zu. Ein Drittel sei aber über Kredite finanziert gewesen. "Aufstellen", wie es die Richterin einmal salopp formulierte, musste er also "nur" etwa zwei Millionen.

Wicki und die Briefkastenfirma

Dann wollte die Richterin mehr zu den 500.000 Euro wissen, die Vermögensberater Norbert Wicki angeblich für Meischberger in Meinl International Power-Aktien (MIP) veranlagen sollte. Dazu habe Wicki einen Kreditvertrag vorgeschlagen, mit der Briefkastenfirma Mandarin Group in Belize. Im Grunde hat Meischberger Wicki Geld geborgt, damit dieser für ihn Aktien kaufen konnte. Der Vermögensberater zahlte seinem Klienten nach dieser Logik also Zinsen dafür, dass er für ihn arbeitet.

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Genauso schwer zu begreifen ist ein anderer Vertrag mit Wicki, der diese gekauften Aktien an die Mandarin Group "ausleihen" sollte. Nach Meischbergers Erklärung geschah das deswegen, damit Wicki ihn bei einer Hauptversammlung der MIP anonym vertreten kann und gegen die Meinl-Rebellen und Grasser-Gegner stimmen kann. Das funktionierte aber im Endeffekt nicht.

Die ausgeliehenen Aktien jedenfalls, die mit dem Geld vom Konto 400.815 gekauft wurden (das der Staatsanwalt Grasser zuschreibt), wanderten nach der Selbstanzeige und dem Auffliegen der Causa Buwog in den Medien allesamt auf das Nachfolgekonto von "Natalie", das Meischberger zugeschrieben wird.

Viele Termine mit Grasser

Von Ende 2002 bis Ende 2004 zählte die Richterin zwischen Grasser und Meischberger 36 Treffen in den Terminkalendern der beiden. Schifahren in Obertauern, Mittagessen, Abendessen und Meetings im Finanzministerium waren darunter. Einige davon fielen auch in die "heiße Phase" der Buwog-Vergabe. Unter anderem ein Treffen am 14.Juni 2004, einen Tag bevor der Ministerrat den Gewinner des Bieterverfahrens absegnete.

Heiße Tage rund um die Selbstanzeige

Dann sprang die Richterin weiter in die Zeit von Meischbergers und Hocheggers Selbstanzeige bei der Finanz. Die Medien hatten Wind davon bekommen, dass etwas bei der Buwog-Vergabe nicht stimmt. Hochegger alarmierte Meischberger in Ibiza, gemeinsam stimmten sie sich ab und entschieden, eine Selbstanzeige zu machen.

Der Mitangeklagte Gerald Toifl half Meischberger in dieser Zeit. Gemeinsam formulierten sie die Selbstanzeige quasi über Nacht.

Auch Grasser sei in dieser Zeit "erstmals", wie Meischberger sagt, über dessen genaue Tätigkeit bei der Buwog-Vergabe informiert worden. Das sei notwendig gewesen, da Meischberger ahnte, dass durch seine Involvierung und seine Nähe zu Grasser ein "politischer Skandal" aus der Sache wird. Seine große Sorge galt in dieser Zeit dem Ruf Karl-Heinz Grassers, der durch seine Verbindung zu ihm da mit hineingezogen würde, medial.

Grasser "verstört"

Grasser habe am Telefon "verstört" auf die Nachricht reagiert, schilderte Meischberger. Auch Meischbergers großer 50er-Feier ein paar Tage später habe Grasser nur einen zweistündigen "Höflichkeitsbesuch" abgestattet und kein Wort über die Sache verloren. Die Stimmung zwischen den beiden Freunden sei "getrübt" gewesen.

Meischberger erzählte auch, dass er damals noch die Dimension, die die ganze Affäre annehmen sollte, "verkannt" habe. Nicht nur, dass er damals wie heute nicht an eine strafrechtliche Relevanz seiner Handlungen glaubte und "80 Prozent seiner Sorgen" dem Ruf Karl-Heinz Grassers galten, wollte er auch sein zeitnahes Geburtstagsfest mit 80 Gästen dadurch nicht verdorben wissen. Die letzten Vorbereitungen für das Geburtstags-Golfturnier, zu dem er neben seinem Freund Franz Klammer auch seine Eltern aus Tirol, sowie viele Wirtschaftstreibende und den ORF-Chef eingeladen hatte, nahm ebenfalls viel Zeit in Anspruch.

Freimaurer Hochegger plante Jagd auf Grasser?

Zu Hochegger gab es in dieser Zeit kein Vertrauensverhältnis mehr, sagte Meischberger. Bei der "feindlichen Übernahme" der Meinl-Rebellen gegen Karl-Heinz Grasser rund um die MIP-Hauptversammlung im Jahr 2008 habe die Gruppe Hochegger die "Feinde" unterstützt, das hätten ihm sowohl Meischberger als auch Grasser übel genommen und keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Am heutigen Prozesstag schilderte Meischberger, wie er den politischen Skandal für sich und Karl-Heinz Grasser in Sachen Buwog verhindern wollte. Er wollte Hochegger überzeugen, die Selbstanzeige alleine auf sich zu nehmen und ihn da komplett rauszuhalten. Da habe sich Hochegger aber geweigert. Meischberger warf Hochegger vor, dass das aufgrund seiner angeblichen Freimaurer-Verbindungen und seines SPÖ-nahen Anwalts geschehen sei, die gern eine "Jagd auf Grasser" konzipiert hätten.

Am 5. Juni wird weiterverhandelt!

Lesen Sier hier den 34. Prozesstag im Detail:

(red)

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